Extra-Blaß 23 – Herbst

Mahlzeit!

Ich fange heute mal mit Werbung in eigener und auch in fremder Sache an.

Am 11.11. findet für die Vattenfall- und BEW-Kollegen der Corporate Volunteer Day im Südkreuz statt. Warum erzähle ich das? Weil ich eingeladen wurde, dort vorzulesen.

Der Eintritt ist frei, es findet während der Arbeitszeit statt, es gibt Kuchen, also kommt zahlreich zu dieser Veranstaltung.
Die November-Folge, das, was ich am 11. vorlese, wird dann am 12.11. auf extra-blass.de erscheinen. Also, kein Karnevalsscherz, es gibt ja auch keinen Tusch, sondern Volunteer Day am 11.11. im Südkreuz.

Das hier ist aber erstmal die Oktober-Folge, also mitten im Herbst.

Haben wir in der letzten Folge noch über die angenehmen Seiten des Herbstes wie die Nuss-Ernte gesprochen, geht es diesmal ums Wetter. Hat es in den letzten Wochen einer von Euch mal geschafft, sich passend anzuziehen? Also passend nicht im Sinne von Anzug fürs Büro, Sakkofarbe mit Schuhen abgestimmt, sondern passend fürs Wetter. Da sind morgens knapp über Null, mit einem bisschen Glück ist der Rauhreif gerade abgetaut, nachmittags auf dem Rückweg aus dem Büro sind fünfundzwanzig Grad und pralle Sonne. Aufgewacht in Grönland, Feierabend in Spanien. Was macht man da?

Wenn Du Dich für den Morgen rüstest, also Schal, je nach Befindlichkeit Handschuhe, dicke Jacke, hast Du nachmittags den Saunaclub in der S-Bahn. Nimmst Du den Nachmittag als Maßstab mit T-Shirt, Boxer-Shorts, Sonnenbrille, Flipflops, gibt morgens schwerste Erfrierungen. So oder so, die Folge ist meist eine Erkältung.

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Womit wir beim Werbeclip dieser Episode sind: 
„Schleim to say goodbye“ von GeloMyrtol® forte . 

https://www.youtube.com/watch?v=6tA331qhYl4

Schaut Euch den Zwanzig-Sekünder kurz an, dann wisst Ihr, warum der heute Thema ist. 

Schon der Titel: Schleim to say goodbye. Zwei KI-Figuren im Stile von „Schau mir in die Nase, Kleines“, man möchte es ihnen auf gleichem Niveau heimzahlen und ihnen „Bis Danzig“ zurufen, werden abgelöst durch einen unrasierten, weinenden, nicht übermäßig schlau dreinschauenden Mann. Neben ihm eine, vielleicht seine Frau, die aussieht, als hätte sie gerade in Grönland einen Marathonlauf absolviert. Beide offenbar im Fieberwahn, denn gleichzeitig bemerken sie einen grünen, keine Ahnung was. Eine Mischung aus Kermit und Dumbo. Dieser, nennen wir ihn Kumbo oder nein, besser Dummit, formt das allseits übliche Herz mit ein paar Fingern, in seinem Fall mit allen Fingern und scheint Repräsentant von GeloMyrtol zu sein. So ein Ding soll sich gegen Viren durchsetzen? 
Wie die aussehen, wissen wir spätestens seit Corona. Dagegen sind Piranhas Kuscheltiere. Und ein grünes Stofftier mit Riesennase bekämpft die dann? 

Sind schon die Bilder nicht einfach zu verarbeiten, macht es auch der Ton nicht besser. „In den Nebenhöhlen läuft nur Drama“, dann Erkältungsgeräusche, Schnauben, Röcheln, Ersticken, die Diagnose „Atemwegsinfekt“. „Nein“, schreie ich laut. Nur innerlich, sonst ruft meine Familie die Feuerwehr. „Nein, ‘ne simple Erkältung und zwei Lappen, die in bester Neymar-Manier den Nahtod simulieren. Nehmt ‘nen doppelten Whisky oder meinetwegen ‘ne halbe Flasche Wick MediNait, aber hört auf so zu tun, als ob ihr die letzte Ölung braucht.“

Dann die Abbildung des Produktes, damit man in der Apotheke was zum Beschreiben hat. Den Namen hat sich garantiert keiner gemerkt, zu verstörend wirkte unser Dummit. Ich kann ja nicht zum Apotheker gehen und sagen: „Ich hätte gerne dieses Erkältungszeug, wo das grüne Kuscheltier den zwei Weicheiern den Filmabend rettet und Herzchen zeigt.“

Schließlich „spürbar wieder Luft“. Ja, die brauche auch ich jetzt, auch wenn das kein ganzer Satz ist. Da wurde der teuren Sendezeit alles geopfert: Subjekt, Prädikat, Sinn.

Am Ende der Ärztin-, Arzt-, Apothekenhinweis in Rekordzeit, kein Vorwurf, das muss so. Nach zwanzig Sekunden ist alles vorbei. Man bleibt verwirrt zurück und erwägt, den nächsten Schnupfen einfach auszusitzen. Ne Packung Tempo, Casablanca über Netflix einschalten, fertig. Besser als Dummit allemal.

Halloween

Auf mehr als 35.000 Hektar werden in Österreich Kürbisse angebaut. Das sind rund 50.000 Fußballfelder und dennoch hat Hallo-Wien … nichts mit unseren Alpennachbarn zu tun, sondern ist wie vieles aus Amerika rüber geschwappt. 
Ja, der dauert. 
Die Österreicher schmeißen übrigens das Kürbisfleisch gleich wieder aufs Feld, die wollen nur die Kerne fürs Öl. Ein Vorgehen, dass wir für Zucchini und Rosenkohl übernehmen sollten.

Jack Oldfield, ein Ire, hatte gleich zweimal den Teufel bei einer Art Wette überlistet. Keine Ahnung, was gewettet wurde. Vielleicht auf die Pünktlichkeit der irischen Post oder ob Engländer jemals die irische Sprache verstehen werden. Man weiß es nicht genau.

Und irgendwann starb Jack. Da er schon zu Lebzeiten mit dem Teufel zu tun hatte, kam der Himmel für ihn nicht in Frage. Hausverbot. Aber auch der Teufel erinnerte sich an Jack und verweigerte ihm, sei aus Angst vor cleverer Konkurrenz oder nur aus gekränkter Eitelkeit, den sehr langen Rest seiner Tage in der Hölle zu verbringen. Nun ist der Teufel gar nicht so böse, wie er immer dargestellt wird und deshalb gab er Jack eine glühende Kohle in einer ausgehöhlten Rübe. Damit konnte Jack quasi als Walking Dead mit Bio-Lampe nachts durch die Gegend irren, ohne überall gegenzulaufen. So jedenfalls die Überlieferung. 

Und weil bei Überlieferungen immer irgendwas verloren geht und weil der Kürbis in Amerika verbreiteter war als Rüben, schnitzen wir heute dank irischer Auswanderer Löcher in Kürb…, Kürben, Kürbi, wie ist der Plural von Kürbis? Egal, wir schnitzen also Löcher in orangene Riesengewächse und nicht in Rüben. Die Amis haben dann wie immer noch ein bisschen auf die leuchtende Rübe draufgelegt und ein Event kreiert.

Wieso heißt es eigentlich kre-iert und nicht krei-ert. Wir haben in der Kantine doch auch einen Spei-se-plan und keinen Spe-ise-plan. Oder, um im Lateinischen zu bleiben, es sagt auch niemand Ka-iser. Ke-ine Ahnung, zurück zu Halloween.

Was wurde uns schon beigebracht und was haben wir an unsere Kinder weitergegeben? Geht nicht mit Fremden mit, geht nicht in deren Wohnungen, nehmt nichts von Fremden an. An Halloween wird das alles über den Haufen geworfen. „Trick or treat“, Süßes oder Saures. Heerscharen von Kleinkindern klingeln bei Fremden und fordern Süßes, weil sonst Saures. Dabei sind sie geschminkt und verkleidet. Als Hexen, Vampire, Geister. Gruseliger als das GeloMyrtol-Monster. Übrigens, liebe Eltern, die ihr mit den Kleinen mitgeht und ihnen zuflüstert, was sie einfordern sollen. Es heißt nicht „Bio oder Saures“ oder „Obst oder Saures“ oder „Vegetarisches oder Saures“. „Süßes“, also hunderte Kalorien verpackt in kleinen Plastikbeuteln. Wer Obst möchte, kann das ganzjährig im Nahkauf an der Ecke kaufen. 

Wem die acht Wochen bis Weihnachten zu lang sind, kann zwischendurch noch Thanksgiving feiern, der Alptraum aller Truthähne. Und tags darauf Black Friday. 

Schlusswort

Ich wünsche Euch für die kommenden Herbsttage eine viren- und erkältungsfreie Zeit und würde mich freuen, einige von Euch am 11. November im Südkreuz zu treffen. 
Jetzt muss ich leider Schluss machen. Da klingelt gerade ein kleines grünes Monster mit einer leuchtenden Rübe in der Hand. 

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