Extra-Blaß 20 – Die WM und andere Enttäuschungen

Feier bei Magenta

Mahlzeit!

Vor ein paar Tagen kam ich morgens ins Büro und sah meine Kollegen mit dem Rücken zu mir zusammenstehen. Dann hörte ich: „Der muss endlich weg. Dieser arrogante Typ. Kann nichts, hat nichts gerissen. Schmeißt den raus, diesen Versager“. Klar, nicht jeder mag mich, aber das war dann doch heftig. Warum haben sie mir denn nie etwas gesagt? Und war es wirklich so schlimm? Vorsichtig ging ich in Richtung der Kollegen und erwartete, dass die nun schnell das Thema wechseln würden.
„Morgen Micha, da bist Du ja. Was sagst Du denn zu Nagelsmann?“.

Erleichterung. Und ich gab zu, dass ich nun auch auf einen neuen Bundestrainer warte, idealerweise Jürgen Klopp.

Endlich war wieder WM. „Mach ihn, mach ihn, er macht ihn“ ist nun schon zwölf Jahre her und 2018 und 2022 konnten sich die Stars bereits nach der Vorrunde ganz der neuen Bundesliga-Saison widmen, doch in diesem Jahr war alles für ein langes, erfolgreiches Turnier bereitet. Mit einem Top-Trainer, dessen Referenzliste länger als meine Personalakte ist. Er hatte schließlich früher bereits mit äh, dings, den Titel in der na, sag schon, da in der Liga geholt. Ja, und einmal mit Bayern Meister geworden. Also ein Top-Trainer. Denkt er wohl auch selbst. Dann mit handverlesenen Mentalitätsspielern. Und Spielern, die im Saft stehen, die nicht verletzt waren. Und Manuel Neuer. Da macht es die Routine. Den Rollator kann er dann als Torwart direkt neben dem Pfosten abstellen.

Wer sagt eigentlich „im Saft stehen“? Wer ist da drauf gekommen?
Ist da was in der Küche ausgelaufen und Du hast es nicht rechtzeitig raus geschafft? Wenn Dir Tetrapak zu kompliziert ist, kauf Flaschen. Oder Obst.
Mach‘s sauber, bleib nicht drin stehen, trink einen Schluck, meinetwegen Saft, zieh‘ Dir ein Trikot über und dann, erst dann geh‘ Fußball spielen.

Zurück zur WM. Nagelsmann sollte Recht behalten. Die Vorrunde war überhaupt kein Thema. Naja, und in den Playoffs hatten wir dann halt Lospech. Niemand war auf Paraguay vorbereitet. Die Taktikpläne für das Duell gegen Frankreich eine Runde später lagen längst in der Schublade und wohl auch in den Köpfen. Aber Paraguay? Und dann noch Elfmeterschießen. Keiner wollte so richtig, auch nicht die Mentalitätsspieler, war auch nicht eingeplant. Und der Schiedsrichter war auch schwach. Also Lospech, Elfmeter, Schiedsrichter, und wohl auch Trump, irgendwie.

Nun wird wohl der allgemein als Trainer-Messias angesehene Jürgen Klopp übernehmen. Der hat zwar im Gegensatz zum Vorgänger nur Champions-League-Sieger, Klub-Weltmeister, 2x deutscher Meister, deutscher Pokalsieger, englischer Meister und Pokalsieger vorzuweisen, aber vielleicht funktioniert‘s trotzdem.

Bei Magenta TV feiert wahrscheinlich die komplette Marketing-Abteilung und liegt seit Wochen volltrunken inmitten leerer Champagner-Flaschen in den Büros. Das gab es so noch nie und zu planen, dass der Experten-Kommentator während des Turniers designierter Bundestrainer wird und als solcher einfach bis zum WM-Ende durchkommentiert, wäre wohl auch unbezahlbar. Wenn’s mit Kloppo dann richtig losgeht, verleiht er dem Team erstmal Flüüüügel.

Vor der nächsten Geschichte der erste

Flache:

Homeoffice ist scheiße –
Wolfgang, 42, Feuerwehrmann

LinkedIn – oder mehr Schein als Sein

Vielleicht habe ich mir durch mein Klicken nur die eigene „Timeline“ versaut,
vielleicht ist das Ganze ein soziologisches Feldexperiment, wahrscheinlich aber kippt hier gerade ein Social-Media-Kanal.

Früher war LinkedIn ein Fundus aus Berichten über Märkte und Technik-Trends. Man postete, um eine Neuigkeit oder Fachwissen zu teilen. Oder, wenn man ’ne Stelle gesucht hat.

Und heute? Über die Hälfte sind KI-generierte Pseudoweisheiten, der Rest Selbstdarstellung. Oft beides. Und der Wunsch, die eigene Reichweite zu optimieren. Und so habe auch ich Copilot mal gebeten, einen Beitrag, so heißen Posts bei LinkedIn, im heutzutage typischen „LinkedIn“-Ton zu einem meiner letzten Projekte zu verfassen. Lest selbst:

🚀 Erfolgreicher Abschluss eines wichtigen Feierabendprojekts 🚀

Heute konnte ich eine anspruchsvolle logistische Herausforderung erfolgreich meistern. Ziel war die Beschaffung von zwei Einheiten eines strategisch wichtigen Verbrauchsguts sowie deren sicherer Transport zum Zielort.

Was zunächst einfach klingt, erforderte eine Kombination aus Planung, Ressourcenmanagement und effizienter Umsetzung. Umso mehr freue ich mich, dass das Vorhaben termingerecht und ohne Komplikationen abgeschlossen werden konnte.

Mein besonderer Dank gilt allen Beteiligten entlang der Lieferkette sowie den Menschen, die mit ihrer Arbeit die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen haben. 🙏 Solche Erfolge sind selten reine Einzelleistungen.

Diese Erfahrung zeigt erneut: Mit klaren Zielen, Fokus und der richtigen Herangehensweise lassen sich auch anspruchsvolle Beschaffungsprojekte erfolgreich umsetzen.

Wie sind eure Erfahrungen mit kurzfristigen Beschaffungs- und Logistikherausforderungen? Habt ihr ähnliche Erfolgsgeschichten erlebt? 👇

#Erfolg #Projektmanagement #Logistik #Teamwork #Leadership 🚀

Es ist alles drin, was LinkedIn im Moment so ausmacht:
Die üblichen KI-Komponenten, also jede Menge Emojis, nach jedem Komma ein Absatz und reichlich Hashtags, aber vor allem ausschweifende hochtrabende Formulierungen, die selbst den Vorgang des Brötchenschmierens wie eine Diplomarbeit über die Nutzung von Spezialwerkzeugen erscheinen lassen und am Ende, wir wollen schließlich Reichweite und Engagement, eine beliebige, völlig sinnfreie Frage, nur um Kommentare oder ein Like zu erhalten.

Der Beitrag beschreibt übrigens, wie ich nachmittags mit dem Auto zum Getränkemarkt fahre und zwei Kisten Bier kaufe. Und vielleicht poste ich ihn mal. Wegen der Reichweite.

Sporadisch, sehr sporadisch findet man auch selbst geschriebene Beiträge. Die erkennt man recht schnell, da sie meist so oder so ähnlich klingen:

Das Cringeste, was ich als Gründer gemacht habe, war gleichzeitig das Beste.
Vor 4 Jahren habe ich wildfremde Leute auf LinkedIn angeschrieben mit „Hey, bin großer Fan – lass mal schnacken.“ Jaaa… i know. Komplett cringe.
Heute sitze ich mit genau diesen Leuten bei Dinnern, auf Bühnen und in Pitchdecks.
No joke…Schreib die Person an einfach an.

Mit ’ner Liste der Jugendwörter der letzten zehn Jahre und „alles markieren – rechte Maustaste – Übersetzen“ geht’s dann irgendwie.

Inhaltlich nehmen die sich beide nichts. Triviales wird aufgebläht, aus dem Lageristen wird der Senior Asset Manager, aus dem Gang zum Klo eine umfangreiche medizinische Abhandlung über Stoffwechsel. Aber sprachlich… tja, da mag man inzwischen die KI vorziehen.

Achja, ein Pitchdeck ist nach übereinstimmender Meinung von Copilot, Gemini und ChatGPT eine Präsentation, mit der überzeugt werden soll. Kunden, Partner, Investoren.
Wie der, sogar noch mit anderen Leuten, in einer Folie sitzen kann, bleibt geheimnisvoll.

Aber was bleibt einem? Facebook ist angeblich zu einem Senioren-Tinder mutiert, X ist pfui, für Tiktok bin ich 50 Jahre zu alt (ich werde bald 60) und Instagram, hm, hat für mich immer noch zu viel von „mein schönstes Ferienerlebnis“. Also werde ich auch weiterhin LinkedIn nutzen, um diese und andere Folgen dort zu präsentieren.

Wie ist Eure Erfahrung mit www.linkedin.com/in/michael-blass ? 😉  

Hier ein weiterer

Flacher

Im Zug. Ein Kleinkind weint.
„Wie heißt denn der Kleine?“
„Kevin“
„Halt’s Maul, Kevin !!“

Schlusswort

Vor einigen Tagen durfte ich ein wichtiges Optimierungsprojekt erfolgreich abschließen. Nach einer intensiven Bestandsaufnahme und der Zusammenarbeit mit einer ausgewiesenen Expertin konnte meine visuelle Positionierung nachhaltig weiterentwickelt werden.

Upps, Tschuldigung, das war noch der KI-Modus. Ich wollte eigentlich nur erzählen, dass ich mit meinem Friseursalon sehr zufrieden bin.

So, genug für heute. Ich geh‘ dann jetzt mal auf die Toilette. Wie sind Eure Erfahrungen damit?

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert