Extra-Blaß 19 – Eine Fahrt mit der Deutschen Bahn

Eine Fahrt mit der Deutschen Bahn

Mahlzeit !

Wieder mal war ich für diese Ausgabe lange auf der Suche nach einem Thema.
Politik scheidet aus, obwohl das leider sehr ergiebig ist. Aber die denken sich quer durch alle Parteien Dinge aus, da kann ich nicht mithalten.

Fußball-WM? Hm, nicht jeder von Euch interessiert sich für Fußball. Und über das frühe Ausscheiden des deutschen Teams kann ich erst das nächste Mal schreiben, noch sind sie dabei.

Aber dann hatten wir einen Team-Tag in Hamburg. Und ja, wir sind mit dem größten Altmetall-Sammler Deutschlands gefahren, mit der Deutschen Bahn. Bei 33 Grad. Ihr ahnt, was nun kommt, auch wenn das in Folge 17 schon kurz thematisiert wurde.

Die Deutsche Bahn

Schon am Abend vor unserem Abenteuer-Trip gab es Signale (achtet auf die raffinierte Mehrdeutigkeit), also es gab Signale, dass wir besser nicht gefahren wären. Ein Softwarefehler sorgte für den kompletten Ausfall des internen Funkverkehrs, was wiederum den sofortigen Stillstand aller Züge zur Folge hatte. Güterzüge, Fernzüge und, nicht ganz unwichtig, auch die Berliner S-Bahn.

Nun weiß ich als Außenstehender nicht, was die sich die ganze Fahrt über unterhalten müssen. Es gibt ja trotz allem noch Signale, Handys, WLAN, Pyrotechnik. Aber sicher wird die eine oder andere Dienstvorschrift den sofortigen Lockdown bei Funkausfall vorschreiben. Wie gesagt, ich kann das nicht beurteilen.

Über Nacht wurde dann offenbar der eine entscheidende Server neu gestartet, und nachdem tausende gestrandete Passagiere professionell evakuiert wurden (man hat darin inzwischen Übung), stand einem geordneten Betriebsbeginn am neuen Tag nichts mehr im Wege. Also nicht mehr als sonst.

Nicht aus böser Vorahnung und Vorurteilen gegenüber der DB, vielmehr zufällig, weil es der Fahrplan hergab, hatten wir einen tschechischen Zug gebucht. Der stand gerade zur Auswahl. Allerdings waren wir nicht allzu böse darüber, dass es kein ICE deutscher Produktion war.

So verlief dann die Hinfahrt sehr harmonisch. Pünktliche Abfahrt am Südkreuz, Klimaanlage hat funktioniert, Sitzplatzbuchungen wurden angezeigt, ein entspannter Schaffner, alles, wie es sein soll. Mehrere Baustellen auf der Strecke führten zu Tempolimits, die die Gesamtfahrzeit etwas gestreckt haben, aber dafür kann der tschechische Zug nichts. Und so kamen wir wohl temperiert, entspannt und mit nur dreißig Minuten Verspätung in Hamburg an. Kein Grund also zur Klage, olé, olé, super DB.

Die Rückfahrt, wieder der tschechische Zug, geplante Abfahrt 17:31, Gleis 8, hatte es uns dann aber doppelt und dreifach heimgezahlt.

Doch zwischendurch schnell mal ein ganz

Flacher:

Was fängt mit Y an und kann bellen?
Yvonnes Hund

Die Rückfahrt

Wie das dann so ist nach einem langen Arbeitstag, möchte man, wenn alles erledigt ist, einfach nur noch nach Hause. Doch da hatten wir die Rechnung ohne die Deutsche Bahn gemacht. Fünf Minuten vor unserer geplanten Abfahrt fuhr ein ICE auf Gleis 8 ein. Nach Berlin-Gesundbrunnen und über Orte, die nicht auf der direkten Strecke Berlin-Hamburg liegen. Aber als routinierte, stress-erprobte Bahnkunden haben wir das schnell durchgerechnet. Der fährt ungefähr los, wenn unser Zug reinkommen soll, also maximal 15 Minuten Verzögerung. Ist im Hamburger Haupt-Gewächshaus nicht sonderlich schön, aber machbar. Schließlich hat es sich dort wie in ganz Hamburg tagsüber ordentlich aufgeheizt. Und ordentlich aufgeheizt heißt, dass unten auf dem Bahnsteig zahllose Orchideenhändler mit Bauchladen ihre Ware verkaufen wollten, bevor sie verblüht.

Manch fliegende Händler boten auch Aufgüsse an. Mit wedelnden Handtüchern stellten sie die Duftrichtungen „8×4 gebraucht“, „Straßenbau intensiv“ und „dauerhaft defekte Dusche“ zur Auswahl.

Doch zurück zu unserem Zug, dessen Gleis zugeparkt war. Der Falschparker, wir erinnern uns, Gesundbrunnen mit innovativer Fahrtroute, wurde plötzlich als verspätet angezeigt.
Was macht also der routinierte, stress-erprobte Bahnkunde? Er erwartet einen Gleiswechsel.

Da diese häufig recht kurzfristig angesagt werden, haben wir uns schon mal nach oben begeben. Von dort kann man wieselflink alle möglichen Gleise erreichen, selbst wenn es heißt: „Der Zug RJ45, planmäßige Abfahrt 17:31, fährt heute ab Gleis 17. Abfahrt in 30 Sekunden.“
Und für den seltenen Fall der Fälle, dass die DB-App nicht aktualisiert wird, hat man oben auch alle Anzeigetafeln im Blick. Was wir dann dort sahen, hat uns leider gar nicht gefallen. Unser Zug war plötzlich weg. Nicht der Zug selbst, die Ankündigung. Was schlimmer ist. Nicht mehr auf Gleis 8, und auch auf keinem anderen Gleis.

Der Falschparker war inzwischen für 18:30 angekündigt. Und dann, der Lichtstreifen am Horizont: da war er wieder, unser Zug. Gleis 8, 18:01. So stand es weiß auf blau auf der nie lügenden Anzeigetafel. Allerdings bin ich von Grund auf skeptisch und hatte mich gefragt, wie unser Zug um 18:01 abfahren soll, wenn dort ein Zug, der Falschparker, steht und erst um 18:30 losfährt.
Dies habe ich dann einen offensichtlich zur DB gehörenden Mitarbeiter gefragt, der unvorsichtigerweise in Uniform an uns wartenden Passagieren vorbeiging. Meine auflockernde Frage „Darf ich Ihnen mal eine Frage stellen“ erwiderte er professionell mit „Eigentlich nicht“.
Nun, ich tat es trotzdem und schilderte meine oben erwähnte Skepsis. Er ließ sich auf mich ein und erwiderte „Hm, weiß ich auch nicht. Vielleicht kommt noch ein Gleiswechsel.“

Ich war stolz, richtig stolz. Einerseits hatte ich aus dem offenbar schwer zu knackenden Mitarbeiter eine Antwort rausgekitzelt und andererseits hatten wir das bereits selbst vermutet, auch ohne das profunde interne Wissen über alle Abläufe zu haben.

Zwischendurch erschien noch Frau Maischberger mit ihrem Tross. Auch sie gehört wohl zu den erfahrenen Bahnnutzern, hat sie sich doch wie wir oben platziert, um schnell auf alle Überraschungen reagieren zu können. Mit einigen von uns hat sie sich dann noch über die Unzulänglichkeit der DB-App empört. Ich sah vor meinem geistigen Auge schon die Ankündigung zu ihrer nächsten Sendung: „Die Deutsche Bahn – Normalität oder Offenbarungseid. Heute im Studio: der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, der verkehrspolitische Sprecher der Partei „Die Grauen“, der Hamburger Verkehrssenator sowie Robin Alexander und Karl Lauterbach, die beiden sind schließlich immer dabei.“

Zurück zum Zug. Zwischendurch tauchte auf der Anzeigetafel noch ein ICE nach Nürnberg auf, der uns den knappen Platz auf Gleis 8 streitig mache wollte. Die Anzeige wechselte nun im Minutentakt, Frau Maischberger war wieder verschwunden. Mietwagen, Privatjet, vielleicht ist sie auch nur zu Burger King gegangen, keine Ahnung. Fast pünktlich um 18:50 fuhr dann unter Beifall der Falschparkerzug ab. Hatte ich so bisher nur in Ferienfliegern erlebt, aber es gab wirklich Beifall von Dutzenden auf dem Bahnsteig, als sich der Zug in Bewegung setzte. Und als unser Zug mal wieder von allen Anzeigen verschwunden war, der Nürnberger auf, glaube ich, nächste Woche verschoben war, erschien wie vom Himmel geschickt, ein weiterer ICE auf Gleis 8 mit Halt in Berlin-Hauptbahnhof und -Südkreuz.

Ich hatte zwar inzwischen so was wie „jetzt erst recht den Tschechen-Zug“ entwickelt, ließ mich dann aber recht schnell überreden, einfach da einzusteigen. Ich erwähnte wohl schon, dass wir routinierte, stress-erprobte Bahnkunden sind und daher Flex-Tickets gebucht hatten. Eingestiegen, Plätze ohne Reservierung gekapert, die Klimaanlage genossen und mit nur 2 Stunden Verspätung in Berlin angekommen.
Kleine Randbemerkung: auch dieser Zug war wohl heftig verspätet. Und so wurde schon zehn Minuten vor der Ankunft in Berlin über Bordlautsprecher die kostenlose Ausgabe von Wasser im Bord-Bistro angekündigt. Schon Alf sagte, als er nach einer Stunde bemerkte, dass der Gasherd zwar aufgedreht, aber noch nicht angezündet war:
„Es selten zu früh, aber nie zu spät“. Die Tanners brauchten danach ein neues Haus.
Vielleicht wäre das mal ein passender Bahn-Slogan.

Bevor wir zum Schluss kommen, hier schnell noch der zweite

Flache

Für den Kurs „Giftpilze am Geschmack erkennen“ wird nur Vorkasse akzeptiert.

Schlusswort

In zwei Wochen werde ich wieder nach Hamburg fahren. Da ich einiges transportieren muss, werde ich mit dem Auto fahren. Drückt mir die Daumen, dass das nicht auch Anlass für eine neue Folge wird.
Und es scheint noch alternative Verkehrsmittel zwischen Hamburg und Berlin zu geben. Am nächsten Abend war Frau Maischberger auf die Minute pünktlich auf Sendung. Gute Fahrt !

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