Extra-Blaß 40

Mahlzeit !

„Boarding completed“, wie der Lateiner zu sagen pflegt.
Jetzt sind auch alle Hamburger Kolleginnen und Kollegen in ihr neues Büro eingezogen.

Und wenn man den Bildern und Videos glauben darf, die inzwischen unter der Hand und vielsagendem Tuscheln weitergegeben werden, waren es rauschende Feste. Es erstaunt, dass dort schon direkt nach dem letzten Einzugsfest gearbeitet werden konnte. Offenbar waren nachts fleißige Helfer nicht nur mit dem Abbau, sondern auch mit der einen oder anderen Teilrenovierung beschäftigt.

Nein, ich übertreibe natürlich. Und nach der langen Wartezeit haben sich das die Beteiligten ohnehin mehr als verdient. Glückwunsch und höchsten Respekt auch von hier nochmal ans Umzugs-Team, die sich ihrerseits die 100 Tage Schonfrist nun mehr als verdient haben.

Wie üblich, hier nun 

der flache Eröffner

Gut, wenn man seine große Liebe auf der Arbeit kennenlernt.
Schlecht, wenn man Bestatter ist.

In eigener Sache

Im Intranet macht man natürlich keine Werbung für irgendwas. Da könnte ja jeder kommen. Außerdem wird Werbung in dieser Kolumne regelmäßig zerlegt. Andererseits nehmt Ihr mir vermutlich ab, dass ich diese und die vorhergehenden 39 Folgen nicht geschrieben habe, um zusätzliches Geld zu verdienen. Und schließlich habt Ihr mich mit Euren Kommentaren erst auf die Idee gebracht, dass man daraus auch ein eigenes Buch machen kann.

Gesagt, getan… seit Mitte Mai gibt es Extra-Blaß auch als Buch. Ich werde es jetzt nicht übertreiben und hier mit ISBN-Nummer und Preisen aufwarten, aber wer sich das erste Buch eines Kollegen ins Regal stellen möchte oder lieber modern auf einem Tablet liest, kann ja mal bei Amazon bzw. Kindle nach „Extra-Blaß“ suchen.

Im ersten Band sind vierzig Geschichten der früheren Folgen zusammengefasst worden. Alles  natürlich anonymisiert und etwas Neues ist auch dabei. Material gab es ja genug. Aber versprochen, mindestens ein weiterer Band wird folgen und da wird es überwiegend  Lesestoff geben, der noch nicht im Intranet erschienen ist. So, das soll es zu diesem Thema auch schon gewesen sein. Ach ja, wer „Kindle unlimited“ hat, kann es kostenlos lesen.

Weiter geht’s mit einer Geschichte.

Das richtige Essen

Nein, nicht die Stadt in NRW, die auf einer Linie mit Dortmund (Bundesliga) und Gelsenkirchen (2.Liga) im Ruhrgebiet liegt, und folgerichtig in der 3.Liga spielt. 
Gemeint ist das Ergebnis, wenn man kocht.

Über gesunde Ernährung wird ja viel gesprochen und auch kontrovers diskutiert. 
Der eine braucht pro Tag ein halbes Schwein und schert sich null um Gesundheit, Cholesterin und Blutdruck, da steht der Appetit und der Geschmack ganz vorne.

Die andere sieht Obst und Gemüse als gleichwertige Mitglieder unserer Gesellschaft an, die erst nach deren Freitod weiterverwertet werden dürfen, und isst es folgerichtig nur, wenn es von selbst auf den Boden fällt.

Soweit die Extreme. Dazwischen natürlich wie immer Abstufungen.

Dann gibt es Mälzer, Raue, Henssler und Rosin und auf der anderen Seite Leute wie mich. 

Die einen zaubern selbst aus Resten ein schmackhaftes Vier-Gänge-Menü, welches in hochangesehenen Restaurants angeboten werden kann, die anderen lassen sogar Wasser anbrennen. Im Ernst, ich bewundere die. Während ich, wenn ich denn mal Kartoffeln schäle, jedes Mal mit viel Glück knapp eine Amputation vermeiden kann und keinen Schimmer habe, ob beim Kochen nun eine Fingerspitze, ein Löffel oder eine Packung Salz ins Wasser muss, überlegen die sich während der Zubereitung, dass 4,5 mg geriebene Zitronenschale dem Gericht genau das richtige Maß an Säure verleihen würde. Und, was fast noch beeindruckender ist, sie wissen ohne Waage, wieviel 4,5 mg Zitronenschale ist. 

Würde man dagegen aus meiner Geschicklichkeit in der Küche ableiten, wie ich mich im Arbeitszimmer anstelle, ich dürfte nie wieder einen einzigen Tag im Homeoffice arbeiten.

Da zählt als Ausgleich dann auch nicht, wenn man das Bestellmenü an den Terminals der einschlägigen Hamburger-Ketten recht schnell durchdringt und auch weiß, welche Lieferdienste im Umkreis schmackhafte Pizzi, Pizzas, egal, Pluräle machen wir ein anderes Mal, jedenfalls die großen runden, belegten Meisterwerke italienischer Backkunst an die Wohnungstür bringen. 

Soweit die Extreme. Dazwischen natürlich wie immer Abstufungen.

Doch bleiben wir mal bei den Bestell-Terminals. 

Quelle: https://www.bundesverband-systemgastronomie.de/de/burger-king.html

Diese Dinger sind ja ähnlich wie der Quiz-Marathon bei Hotlines, die wir in der letzten Folge hatten. Erstmal wählt man die Sprache aus, ob man im „Restaurant“ essen möchte oder lieber zu Hause, anders als bei Starbucks muss man hier nicht seinen Vornamen hinterlassen, doch dann beginnt die eigentliche Menüauswahl. Falls Ihr einen Standard-Hamburger oder Whopper haben möchtet… Geduld. Zuerst muss man sich durch alle Aktionsburger durchscrollen. Der Los-Wochos-4-lagig, der Country-Rodeo-Doppel-Galopper, der Veggie-Mastersalad mit Sojasprossen in Mangosauce und natürlich der Double-Crunchy-Chicken-Knopper-Whopper. Die natürlich jeweils mit Käse, ohne Zwiebeln, nur mit Ketchup oder auch mit der Special-Hot-Spicy-Chili-Pepper-Fire-Sauce. Nach nur 13 Bildschirmen, die man runterscrollen muss, gelangt man zu den Standardangeboten.

Diese sind gut versteckt in Kategorien. Haben wir früher in der Programmierung gelernt, dass sprechende Datennamen von Vorteil sind, eine Variable, in der ein Lampenstatus abzulesen ist, sollte z.B. Wohnzimmerlampe_Status heißen, wurden hier bewusst eher schweigende Namen verwendet. Der Salat findet sich bei „Erfrischungen“, der Kaffee auch.
Der Hamburger kann unter „Grundversorgung“ bestellt werden, wo ich eher das Bier vermutet hätte, während bei „Fleisch“ erneut erst die Aktions-Doppel-Galopper und der Double-Crunchy-Chicken-Knopper-Whopper gelistet sind. Erst dann erscheinen Whopper, Doppel-Whopper und Co.

Wird dieser gewählt, startet eine neue Fragerunde. Mit Zwiebel oder ohne, mit Extra-Zwiebeln, mit Käse, ohne Extra-Käse, warm oder kalt, gerührt oder geschüttelt, Extra-Ketchup usw.

Irgendwann hat man sein Menü zusammen und stellt fest, dass man das alles auch mit einem Klick auf „Whopper-Menü“ hätte bestellen können. Egal, sei’s drum. Es geht nun ans Bezahlen. Der EC-Kartenleser befindet sich ungefähr auf Kniehöhe, wir kennen das von Parkscheinautomaten in Tiefgaragen. Die bange Frage ist nun, bucht er einfach ab oder fragt er nach der Geheimzahl. In diesem Fall nämlich hat man nur die Wahl zwischen knien, hocken oder auf den Boden legen. Das Display ist schließlich leicht nach unten gewölbt, um einem die letzte Möglichkeit zu nehmen, die Eingabe der Zahl halbwegs würdevoll zu vollziehen. 

Irgendwann ist auch das geschafft, der Termin beim Orthopäden kann ebenfalls direkt am Terminal gebucht werden und man bekommt eine Bestellnummer, die ähnlich wie auf dem Bürgeramt nach 5 Minuten, manchmal aber auch erst nach knapp einer Stunde aufgerufen wird. Extra für diese Wartezeit wurden Halterungen angebracht, die an mittelalterliche Folterkeller erinnern. Zum Stehen zu niedrig, zum Sitzen zu hoch, eigentlich perfekt für den EC-Kartenleser, aber den haben wir ja schon hinter uns gebracht. Egal, der Termin beim Orthopäden ist schon unter Dach und Fach und irgendwann erscheint unsere magische Zahl am Display des Ausgabetresens. Nun muss nur noch der Inhalt des Tabletts mit der eigentlichen Bestellung abgeglichen werden, das ist nicht zwingend immer identisch, und schon kann der Genuss starten. Guten Appetit. Und gute Besserung.

Während wir nun zum letzten Abschnitt dieser Folge kommen,

dem Sprachpanscher,

bleiben wir inhaltlich beim Essen.

Ich bin mir nicht sicher, ob das in Hamburg genauso gehandhabt wird, aber in Berlin wird an Imben, Imbi, Imbissen, an Würstchenbuden ein eigener Dialekt gesprochen. Wir hatten in Folge 8 schon mal über „Döner mit alles“ gesprochen. Man nimmt an, sein Gegenüber spricht schlecht Deutsch, spricht deswegen selbst schlechtes Deutsch und das Gegenüber passt sich an. Ein Teufelskreis. An der Imbissbude läuft das ähnlich. Die Bestellung wird auf das Allernotwendigste gekürzt und stets ohne Plural formuliert. „2 Bratwurst mit“ bedeutet „ich hätte gerne zwei Bratwürste mit Darm“. „Pommes rot/weiß“ wird nicht etwa von Union Berlin-Fans bestellt, sondern mit dem Wunsch nach zusätzlichem Ketchup und Mayonnaise. Im Ruhrgebiet hört man für diese Kombination eher „Pommes Schranke“. 
Ebenso wie der Plural sind Artikel hier verpönt. Allenfalls „den“ wird ganz selten benutzt, dann gilt man aber schon als Geschichtenerzähler. „Auf den Pommes Ketchup extra!“.

Gerne werden von denjenigen, die derart bestellen, auch vermeintlich witzige Umschreibungen genutzt. „2 mit, einmal Pommes rot/weiß und eine Hopfenkaltschale“ definiert eine gängige Berliner Mittagsmahlzeit mit alkoholischem Erfrischungsgetränk für zwischendurch. Gruselig wird es bei Bestellungen einer Gruppe. Wenn die freundliche Fachkraft hinter dem Tresen dann endlich acht Würste, viermal Pommes frites in den unterschiedlichsten Kombinationen, sieben Bier und eine Cola Light zur Übergabe bereit hat, aber nicht zuordnen kann, muss verteilt werden. Ja, die Cola light ist bei Gruppen immer dabei. Einer muss ja noch fahren. Zurück zur Verteilung.
„Waren Sie die Bratwurst ohne?“. 
„Nein, ich bin die zwei mit“, 
„und ich bin das Schaschlik!“.
Zum besseren Verständnis schlüpft man in die Rolle des Bestellten, die Identifikation und später der Geschmack ist dann größer. 

Nun wird vertilgt. Gerne werden als wohlwollende Kommentare Werkzeuge, physikalische Einheiten und Zutaten, die nie und immer im eben Gegessenen auftauchen würden, benutzt.
„Boah, Hammer“, „den Pommes ist mega“ und „erste Sahne“ gehören hier zum Standard.

Beendet wird diese kleine kulinarische Sprachreise mit einer standesgemäßen  Verabschiedung: „bis Baldrian“.

Zum Schluß noch

der finale Flache:

In der Antike war jeder zweite Hellene Fischer.

Bis Danzig !

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