Mahlzeit !
Es ist mal wieder so weit. Anfang Januar, die Kopfschmerzen der Silvesternacht verschwinden langsam, der erste Arbeitstag im neuen Jahr naht, die ersten Vorsätze sind bereits Geschichte.
Zeit für einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Aber zuerst:
Euch allen ein frohes und gesundes neues Jahr !!
Bevor ich mit dem Jahresrückblick starte, möchte ich kurz auf die Zeit dieser Kolumne im Intranet zurückblicken, die im März 2020 begann und im Dezember 2024 zu Ende ging.
Die 46 Folgen, etwas mehr als 86.000 Wörter, habt Ihr in viereinhalb Jahren 52.800-mal angesehen und 6.492-mal geliked, also im Schnitt je Folge über 1.100 Ansichten und über 140 Likes.
Noch ein paar kleine Rekorde:
die letzte Folge war mit 3.300 Wörtern die längste,
die erste Folge hat 2.395 Ansichten und
Folge 23 (Jahresrückblick 22) hatte 264 Likes.
Vielen, vielen Dank dafür !!
Und genau wegen solcher Zahlen mache ich nun auf dieser Extra-Blaß-Seite weiter.
In etwas anderer Form, die Folgen werden anders nummeriert, da ja nun eine neue Zeitrechnung beginnt. Und es kommen vielleicht weitere Rubriken hinzu, andere verschwinden vielleicht. Aber sie wird weiterhin mindestens monatlich erscheinen.
So, das Organisatorische ist erledigt, auf die Toiletten und die Notausgänge wurde hingewiesen, die Handys sind im Flugmodus, los geht’s wie gewohnt, diesmal passend zur Jahreszeit, mit einem ganz
Flachen
Wer Böller in der Faust zündet,
sie danach zerzaust findet.
Ihr seht, das neue Jahr und diese Kolumne werden nicht unbedingt besser.
Deswegen gleich weiter zum
Jahresrückblick 2024
Januar
Im American Football fanden wie in jedem Jahr die wichtigsten Spiele, die Playoffs, im Januar statt. Der finale Super Bowl dann Anfang Februar. Und die Kansas City Chiefs sind eine sehr gute Mannschaft, sie haben am Ende auch den Super Bowl gewonnen. Man sieht sie also recht häufig in den Playoffs.
Warum erzähle ich das alles?
Ein Spieler der Chiefs, Travis Kelce, ist mit Taylor Swift liiert. Das ist an sich erstmal nichts Schlimmes. Für beide nicht.
Nun wurde aber in jedem Spiel der Chiefs in nahezu jeder Spielpause, und davon gibt es im Football reichlich, in die VIP-Loge geschaltet. Nur um Frau Swift dabei zu beobachten, wie sie sich die Frisur richtet, eine Maniküre gönnt oder wie Rumpelstilzchen den letzten Spielzug bejubelt. Da war dann auch bei mir eine Grenze erreicht.
In den letzten Jahren war es schon die Parship-Werbung, die den interessierten Zuschauer zur Verzweiflung brachte. Alle elf Sekunden wurde die Parship-Werbung durch das Football-Spiel unterbrochen. Und nun kommt in den werbefreien Pausen noch das dazu.
Es schaltet doch auch niemand bei Swift-Konzerten in den Backstage-Bereich, um zwischen den Songs Travis Kelce zu zeigen, wie er sich die Schuhe bindet oder in ein Brötchen beisst. Aus gutem Grund.
Was, wenn das Schule macht und die ARD während der Tagesschau zwischen zwei Nachrichten ins Wohnzimmer von Susanne Daubner schaltet: „Und hier sehen Sie Waldi, den Cockerspaniel von Susanne, wie er gerade Trockenfutter frisst“.
Ich will sowas nicht.
Februar
Der Bundestag beschließt die Teillegalisierung von Cannabis zum 1. April. Die anfängliche Euphorie in einigen Teilen der Bevölkerung weicht allerdings schnell der Resignation, da niemand die Ausführungsvorschriften kapiert.
So darf man zu Hause 50 Gramm besitzen, unterwegs nur 25. Man muss folglich den Transport aufteilen. Der Konsum ist in Sichtweite von Schulen, Spiel- und Sportplätzen, zwischen 7 und 20 Uhr und wohl auch an ungeraden Tagen mit Ostwind untersagt. Die weiteren Regeln z.B. für Anbauvereinigungen würden hier den Rahmen sprengen und können im unterstehenden Link nachgelesen werden.
Quelle: Bundesregierung
Eine Begründung für die neue Regelung ist, einfach gesagt: Es machen eh zu viele und wir können das nicht alles kontrollieren.
Es wird daher erwartet, dass ab Mitte des Jahres auch Falschparken und im Süden Deutschlands das Ignorieren der Kehrwoche nicht mehr geahndet wird.
März
Nun hat auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eine eigene Hymne. Was auf Vereinsebene längst mit legendären Hits wie „Heja BVB“, „Nur nach Hause“, „Mer stonn zo dir, FC Kölle“ und leider auch „Stern des Südens“ üblich ist, ist nun auf die Nationalelf übergeschwappt. Die Mannschaftshymne ist zwar immer noch die Nationalhymne (brüh im Glücke dieses Lichtes, Ihr erinnert Euch?), aber beim Torerfolg ist man neuerdings völlig losgelöst und es wird kollektiv „Major Tom“ gesungen.
Auf Sylt sorgte später auch ein Lied für Furore, das passt aber eher zur Politik und ist daher hier kein Thema.
April
Wie üblich stand schon lange vor Ende der Saison der deutsche Fußball-Meister fest. Diesmal allerdings Leverkusen. Ob aufgrund eines Rechtschreibfehlers oder einer defekten Tastatur, ist bis heute ungeklärt. Jedenfalls wurde ein „n“ vergessen und schon war Bayer zum ersten Mal Meister.
Mai
Auf Mallorca und damit auch am Ballermann steht Alkoholkonsum auf offener Straße nun unter Strafe.
Wenige Stunden nach Bekanntwerden dieser Regelung wurden hunderte Junggesellenabschiede abgesagt. Weiterhin mussten sämtliche Kegelvereine des Ruhrgebietes ihren Jahresausflug umbuchen.
Juni
Die Tour de France musste verlegt werden, da Paris mit den Vorbereitungen für Olympia beschäftigt war. So startete man im italienischen Florenz und fuhr kurzerhand nach Nizza. Frei nach Andi Möller: Florenz oder Paris, Hauptsache Frankreich.
Juli
Von der Fußball-EM blieb mir bis heute eine Szene im Gedächtnis. Der Moment, als Musiala im spanischen Strafraum die Hand des Spaniers Cucurella trifft. In elf von zehn Fällen wird hier Elfmeter gepfiffen, diesmal nicht. Der Arm des Spaniers war, obwohl es die Regel eigentlich vorschreibt, nicht direkt am Körper anliegend. Auch nicht indirekt. Also eigentlich gar nicht. Der Arm war einen knappen Meter vom Körper entfernt. Nicht der gesamte Arm, das wäre medizinisch unmöglich. Aber der Unterarm und die Hand. Und die Körperfläche wurde, auch hier ist das Regelwerk recht eindeutig, zumindest ein klein wenig vergrößert.

Quelle: sportschau.de
Vermutlich war dem Schiedsrichter schlicht der Name des Sünders zu kompliziert, den er ja im Spielbericht hätte vermerken müssen. Bei Müller hätte er wohl gepfiffen. Und so hieß es schnell: weiterspielen, nichts passiert. Die UEFA hatte dann Monate später verlauten lassen: „Ja sorry, hätte man wohl pfeifen können. Aber ist nun nicht mehr zu ändern. Lebt damit.“ Nun leben wir halt damit.
Bei einem späteren Besuch mit seinem Verein in Deutschland (Heidenheim – Chelsea) wurde Herr Cucurella dann wegen seiner anatomischen Besonderheit erwartungsgemäß gebührend gefeiert.
Kunst und Kultur lasse ich hier eigentlich weg, das ist nicht mein Metier. Jedenfalls solange zurecht TV Total, Big Brother und das Dschungelcamp nicht dazugezählt werden. Obwohl eines hier doch erwähnt werden sollte. Mitte Juli kam es zum Showdown in den deutschen Kinos:
Oppenheimer vs. Barbie
Pink gegen Grau, Plastikpuppe gegen Atombombe, witzig gegen ernst. Was beide eint, ist weltweite Bekanntheit. Da Oppenheimer und Barbie am gleichen Tag Premiere hatten, wurden Besucher beider Filme schon Barbenheimer bzw. Oppenbarbies genannt. Beim Merchandising lag Barbie vorne. Es gab Barbiepuppen, Barbie-Eis, sogar ein Barbie-Airbnb und pinke Busse, Taxis und Telefonzellen in London. Dagegen waren aufgrund gesetzlicher Regelungen keinerlei Atomwaffen im Handel zu finden. Auch der Zeitgeist kam nicht zu kurz, wurden doch feministische Fragen und der russische Angriffskrieg thematisiert. Welches der Themen in welchem Film eine Rolle spielte, kann ich Euch leider nicht genau sagen.
August
Auch das ZDF sorgte für einen historischen Moment. Diesmal bei Olympia.
Die deutschen Damen der 3×3-Basketballmannschaft stehen sensationell im Halbfinale gegen Kanada. Das ZDF überträgt live. Es steht 15:14 und es sind noch etwas mehr als zwanzig Sekunden zu spielen. Auszeit Kanada. Puls 200, schweißnasse Hände, Atemnot.
Dann der ZDF-Kommentar: „Wir schalten nun nach Mainz zum heute-journal und melden uns anschließend wieder.“ Es folgen zwei Minuten Werbung, ich glaube für Granufink und Treppenlifte, dann Mainzelmännchen und das heute-journal. Dreißig Minuten später ein aufgezeichnetes Interview mit Edwin Moses, einer Olympia-Legende der 80er. Keine Pointe.
Stellt Euch mal vor: 23.Februar, 18:29 Uhr, Bundestagswahl, ARD-Wahlstudio.
Jörg Schönenborn holt tief Luft, um Sekunden später die erste Hochrechnung durchzugeben.
Schnitt, und nun das Wort zum Sonntag, danach die Lottozahlen.
Shitstorm, Demonstrationen, brennende Sendeanstalten.
Aber Frau Müller-Hohenstein hatte das einfach weggelächelt.
Das Finale, in dem die deutschen Damen zwei Stunden später noch sensationeller Gold gewonnen haben, habe ich sicherheitshalber auf Eurosport gesehen.
Neben der Eröffnungsfeier, über die ich schon im Sommer schrieb, war das wohl das Verrückteste bei Olympia. Ach ja, inzwischen wird die Seine offiziell als Abwasserkanal geführt.
September
San Marino hat seit Aufnahme in die UEFA (1988) seine ersten beiden Pflichtspiel-Siege eingefahren. 140 sieglose Spiele und 20 Jahre nach einem Sieg in einem Freundschaftsspiel haben sie in der Nations League gegen Liechtenstein gewonnen (1:0). Angeblich erhielten mehrere Straßen und Ortschaften den Namen des Sieg-Torschützen Nicko Sensoli. Ebenso sollen sämtliche Neugeborenen (ca. 200 pro Jahr) nach ihm benannt worden sein. Auch die Mädchen. Einige Wochen später gelang dieses Kunststück gleich noch einmal (3:1). Und man sagt, dass sich die Liechtensteiner Elf zukünftig anderen Sportarten widmen will.
Oktober
Das Jugendwort 2024 ist „Aura“. Der Begriff wird, wie auch in der eigentlichen deutschen Sprache, für die Ausstrahlung einer Person benutzt, hier allerdings oft als Maßeinheit: „Wir hatten Mallorca für Kevins Junggesellenabschied gebucht. Mussten alles stornieren – minus 30 Aura“.
„Aura“ setzte sich knapp gegen „Talahon“ und „Schere“ durch und löst „Goofy“ (2023) ab.
Also Brudi, wenn Du cringe bist, gibt es minus Aura. Wenn Du damit noch flexst, wird’s goofy.
November
Deutschland ist ein beliebtes Ziel. Auch, wenn es um das Knacken von Geldautomaten geht. In den vergangenen Jahren hat es jährlich knapp 500 dieser Selbstbedienungs-Tresore erwischt. Oft werden sie schlicht gesprengt, da das Ausprobieren von Zahlenkombinationen zu zeitraubend ist.
Das haben sich auch zwei Männer gedacht und nachts in Köln den begehrten Kasten, der gleich vorne im Eingangsbereich der Bankfiliale steht, in die Luft gejagt. Ob die Beute gleich vor Ort entnommen oder das ganze Gerät erstmal weggeschafft und später mit anderen Werkzeugen geöffnet werden sollte, geht aus dem Bericht nicht hervor. So oder so wurden aber die Pläne der beiden Fachleute für Eigentumsübereignungen jäh durchkreuzt. Schnell stellte sich nämlich heraus, dass die qualmende Kiste, die nach dem Knall nun noch weiter vorne im Eingangsbereich stand, nur ein Kontoauszugdrucker war.
Zum Glück für die beiden wurden sie wenig später festgenommen. So blieben ihnen weitere Einbrüche und die Enttäuschung erspart, beim Öffnen eines erbeuteten Tresors statt der Geldscheinbündel, Juwelen und Aktienpakete nur ein Pfund Butter, hundert Gramm Leberwurst und einen Liter Milch zu finden. Sowas wünscht man nicht mal Einbrechern.
Dezember
Der Dezember ist eine Reise durch die Traditionen. Es beginnt schon am frühen Morgen des 1., oft schon wenige Sekunden nach Mitternacht, wenn jung und alt an kleinen, beschrifteten Papp-Türchen, mühevoll zugebundenen Jute-Säckchen oder anders seltsam aufgereihten 24 Mini-Geschenken rumfingern. Je nach Inhalt ist der Überraschungs-Setzkasten zwar nur etwa Din A4-groß, oft aber so tief wie ein Röhrenfernseher. Meist findet man seltsam geformte Schokoladenhäppchen hinter den nur grob perforierten Tagesklappen. In ganz seltenen Fällen bilden die zwei Dutzend Gegenstände, wenn sie denn befreit werden konnten, einen neuen, großen Gegenstand. Naheliegenderweise meist eine Weihnachtskrippe oder ein Greifwerkzeug, um im nächsten Jahr einfacher an die Einzelteile zu gelangen.
Knapp eine Woche später das gleiche Ritual, allerdings werden hier die Überraschungen statt hinter Papptürchen in Schuhen verstaut. Für die ganze Familie oft ein willkommener Anlass, eben diese der jährlichen Reinigung zu unterziehen.
An den Sonntagen im Dezember werden Kerzen angezündet. Bis heute hat es in den vergangenen Jahrhunderten noch niemand geschafft, die Kerzen derart anzuzünden, dass am Abend des vierten Advents alle Kerzen gleichmäßig runtergebrannt sind.
Dann das Highlight, der heilige Abend. Die Vorbereitung und Durchführung, das Programm für Kinder und die Rolle von Onkel Udo wurden bereits ausführlich in der letzten Folge besprochen.
Der Dezember und damit das ganze Jahr wird mit dem feierlichen Verjagen der bösen Geister abgeschlossen. Damit verbunden ist der sporadische Genuss von Alkohol. Der vertreibt die Angst vor dem 120-teiligen „Tor zur Hölle“, der Mega-Batterie „Tropical Fire“ und dem „XXL Verbund Inferno“. Das Jahr endet mit den staunenden Blicken in den Himmel, wenn das Höllentor tropisch bunt und infernalisch explodiert. In wenigen Fällen aber auch mit staunenden Blicken, wenn die eigene Hand vom Diensthabenden in der Notaufnahme wieder in den Ursprungszustand versetzt wird.
So weit eine kleine Zusammenfassung des letzten Jahres.
Wie gewohnt, folgt nun noch
der Flache zum Ende
Welche Zeitform ist „der Busfahrer war pünktlich gewesen”?
Busquamperfekt
Schlusswort
Das war’s für heute, ich wünsche Euch allen einen guten Start ins neue Jahr, bleibt oder werdet gesund, bleibt dieser Seite treu und wenn es Euch gefallen hat, freue ich mich immer über ein Like – diesmal hier und nicht wie früher im Intranet. Und ganz unten auf dieser Seite könnt Ihr meinen Newsletter abonnieren, um immer aktuell über neue Ausgaben hier informiert zu werden.
Wir machen nun eine kleine Werbepause und sehen uns im Februar wieder.
Jesundet neuet jewünscht ;-)!
Immer wieder klasse, sehr guter Rückblick, plus zwanzig Aura.