Extra-Blaß 13/2025 – Sport in den Sternen

Mahlzeit !
Bevor es losgeht, ganz kurz ein Hinweis in eigener Sache. 

Wer nicht lesen will, muss hören.

Ab sofort könnt Ihr Euch meine neuen Folgen auch auf Spotify anhören. Und natürlich könnt Ihr mir auch dort folgen. Und wer jetzt dorthin umschaltet, dem werden die ersten Sätze bekannt vorkommen. Aber nun wird’s neu, egal, ob Ihr lest oder hört.

Zur Eröffnung wie immer der

Flache

Mein Postbote heißt Karsten. Er ist jetzt mein Briefkarsten.

Kommen wir nun zu meiner Lieblingsrubrik, dem 

Sprachpanscher

Nach „Aus dem Fenster lehnen“ in Folge 11/2025 haben wir es heute mit dem weihnachtlichen „das steht in den Sternen“ zu tun.

Wobei das ja grundsätzlich nicht völlig falsch ist. Vor etwas mehr als zweitausend Jahren stand ja wirklich mal was in den Sternen. Sowas wie „Hallo Ihr drei Könige, nehmt Euren Weihrauch, vergesst die Myrrhe und das Gold nicht und folgt diesem Stern.“ Der blinkte dann, bis das Festtagskomitee Bethlehem erreichte. Heute ist das kein Stern, sondern meist ein kleiner farbiger Pfeil auf dem Display und im Erfolgsfall sagt eine blecherne Stimme: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, aber im Prinzip ist es das Gleiche. Damals war das alles deutlich komplizierter, deshalb haben die Geschenke-Überbringer dann auch rund zwei Wochen später einen Feiertag bekommen.

Aber das meint ja keiner, wenn es mal wieder philosophisch „Das steht in den Sternen“ hallt.

Da steht nämlich nix. Schon lange nicht mehr. Wie gesagt, schon über 2000 Jahre nicht. 
Wenn doch, dann nur, weil Horst bei der Weihnachtsfeier ein Gläschen zu viel bekommen hat oder beim Gottesdienst an Heiligabend, übrigens das einzige Mal im Jahr, wo Horst in die Kirche geht, zu tief den Weihrauch eingeatmet hat. Dann, aber nur dann kann er schon mal was in den Sternen sehen.

Er kann auch Sterne sehen, z.B. wenn auf dem Nachhause-Weg ein Nachbar seine Altpapiertonne zu weit auf den Gehweg gestellt hat. Und Horst diese, weil seine promillebedingte Reaktionszeit nicht mehr zur Laufgeschwindigkeit passt, mit lautem Getöse abräumt. Dann sieht er Sterne. Und er muss am nächsten Tag eine plausible Ausrede für die Platzwunde an der Augenbraue suchen. Aber darum geht es hier nicht. 
Er sieht ja etwas in den Sternen.

Neulich bin Ich morgens etwas verschlafen zur S-Bahn gelaufen, um ins Büro zu fahren. Die vier Stationen reichen aus, um bei Ankunft frisch und wach zu wirken. Am Bahnhof schaute ich gedankenverloren in die Gegend, auch nach oben, und dachte „Ui, da steht ja wirklich was in den Sternen“. Allerdings bemerkte ich dann doch recht schnell, dass „Zugverkehr wegen eines Polizeieinsatzes unregelmäßig“ nicht in den Sternen, sondern nur auf dem Hinweisschild direkt über mir am Bahnsteig stand. 

Es ist wie bei den meisten Ufo-Sichtungen, am Ende ist alles irgendwie erklärbar. 

Wenn sich also bei Eurem nächsten Projekt wieder so eine Sprechblase nicht festlegen kann, wann denn mit seiner Entscheidung zu rechnen ist und was von „in den Sternen“ fabuliert, denkt daran: es ist nichts Übersinnliches, es liegt einfach nur an seiner irdischen Unfähigkeit.

Beim nächsten Thema habe ich etwas mit mir gehadert. Weil sich eigentlich jemand, der wenig Sport treibt, nicht über anderer Leute Aktivitäten auslassen sollte. Ich finde allerdings diese Aktivitäten derart, sagen wir, besonders, dass ich nicht umhin kam, trotzdem die folgende Geschichte zu schreiben.

Ist das Sport oder kann das weg?

Wir kennen sie alle, die Trends, die aus den USA zu uns geschwappt sind: Fastfood-Ketten, Drive-In-Schalter, Alles mögliche-to-go, Black Friday und gerade erst wieder Halloween. Doch das, was ich meine, kommt aus Finnland. Keine Ahnung, warum? Bei den USA ist das ja noch nachvollziehbar. Microsoft, Luftbrücke, Wernher von Braun, NATO, iPhone, Dirk Nowitzki, da gibt‘s Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten. Aber Finnland?

In etwa so viel Einwohner wie das Ruhrgebiet, aber genauso groß wie Deutschland, was soll da schwappen? Ok, schlechter Vergleich, im Vatikan geht das ja auch. Ernsthaft, mir fallen auf Anhieb Nokia, Kone und ein paar Sportler ein. Z. B. Paavo Nurmi, der in allen Distanzen, für die ich das Fahrrad oder das Auto nehmen würde, Weltrekorde lief. Kimi Räikönnen, der dann das Auto nahm und damit recht schnell unterwegs war. Und natürlich Iivo Niskanen, den derzeit schnellsten Skilangläufer. Dann wird es aber auch schon dünn.

Und mit Skilanglauf haben wir auch schon die Ursache für den ersten Trend, mit dem das Schlimme begann.

Nordic Walking

Was eigentlich als Sommertraining für Wintersportler gedacht war, wurde ungefähr zur Jahrtausendwende von Leuten gekapert, denen Joggen, Laufschuhe und Fitness-Uhr zu aufwändig war.

Und bis heute sieht man sie auf Bürgersteigen, Wanderwegen und in Einkaufszentren: die Nordic Walker. Was ist eigentlich die weibliche Form des Walkers. Walkerin? Walküre?

Man möchte ihnen zurufen: „Hey, es liegt kein Schnee, kannst die Stöcke weglegen“ oder „schnall‘ wenigstens Rollschuhe drunter“.
Ich bin kein Ski-Experte, aber ursprünglich waren doch die Stöcke zum Abstoßen gedacht, weil ja in der nordischen Ebene der alpine Hang fehlt. Aber beim Spazierengehen? Auf ebenem, trockenem Boden? 
Inzwischen gibt es Vereine und Krankenkassen zahlen Kurse. Das heißt erstmal nichts. Es gibt auch Fliesentisch-Fan-Vereine und Kassen zahlen auch Globuli, aber dadurch wird es normaler als es sollte. 

Doch das alles war nur ein Vorbote für das, was seit einiger Zeit grassiert und aus meiner Sicht um ein Vielfaches schlimmer ist:

Hobby Horsing

Das soll auch aus Finnland kommen, obwohl Pferdesport nun keine typisch skandinavische Domäne ist. Ich kannte das schon, allerdings aus der Mini-Gruppe im Kindergarten. Meine Tochter hatte damals auch ein Steckenpferd. So heißen nämlich die umgedrehten Wischmops, die ein Pferd symbolisieren sollen. Als Spielzeug sehr geeignet, vermutlich auch mit hohem pädagogischem Wert. Aber wie gesagt, für eine sehr eng umrissene Altersgruppe. 

Dass da nun Erwachsene den Dingern Namen geben, sie füttern, sich mit ihnen freuen und leiden und, das ist am allerschlimmsten, damit in der Küche, in Turnhallen und auf Waldwegen galoppieren und Pirouetten drehen, lässt mich verstört zurück.

Was kommt da noch? Gehen die mit dem Stück Holz und dem angetackerten Lappen auch zum Hufschmied? Oder zum Tierarzt? Und… was macht der dann? Mitspielen? Einen Psychiater rufen? 
Andererseits: ein Springreiten, wo Hilde mit dem Stock versucht, irgendwie über den ein Meter sechzig hohen dreifachen Oxer zu kommen, würde ich mir vielleicht sogar anschauen.

Bevor wir zur letzten Geschichte kommen, hier schon mal der zweite

Flache

Oma ist in der Sauna eingeschlafen. Hilde gart.

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„Driving home for Christmas“, rund 40 Jahre alt, von Chris Rea, ein Klassiker und passt perfekt zur aktuellen Jahreszeit. Wird deswegen auch zigmal im Radio rauf- und runter gespielt, wenn nicht gerade „Last Christmas“ läuft. 

<P.S.: wie immer hilft es, die verlinkten Clips kurz anzusehen, falls Ihr sie noch nicht kennt:
Clip 1 / Clip 2>

Das alles hindert aber Mediamarkt nicht daran, dieses Lied in sehr langen dreißig Sekunden aufs Übelste zu verunstalten. Warum? Stellt Euch einfach folgende Situationen vor:

Polizeikontrolle. Du wirst rausgewunken, hast noch das Radio an. „Driving home for Christmas“. Der Polizist fragt freundlich nach den Fahrzeugpapieren. Plötzlich hört er, wie jemand aus Deinem Kofferraum mitsingt. Du öffnest den Kofferraum, dort räkelt sich ein MediaMarkt-Mitarbeiter zwischen bunten Geschenken und zwinkert Dir und dem Gesetzeshüter lasziv zu. Er singt und hält Dir Geschenke entgegen. Du möchtest ihn nach links wegwischen, aber das ist keine App, das ist real. Und der Polizist steht hinter Dir.
Hände aufs Dach, Festnahme, Du verbringst die Feiertage in Untersuchungshaft.

Bei Mediamarkt offenbar normal und ein Zeichen von Kundennähe.

Neue Szene:
Oma steht mit Kopfhörern (?) vor Deiner Tür und wartet, dass sie hineingelassen wird. Die Tür wird geöffnet, ein uniformierter Trupp von Mediamarkt-Mitarbeitern stürmt aus dem Haus und begräbt die alte Dame unter Geschenkkartons. Schreck, Herzstillstand, Rettungswagen, Weihnachten in der Notaufnahme.

Bei Mediamarkt offenbar normal und Teil des Festes.

Nächste Szene im zweiten Clip: Mutti versucht, den neuen Router zu installieren.
In bester Matrix-Manier lässt sich ein weibliches Tom Cruise-Double in Mediamarkt-Kleidung kopfüber von der Decke runter, nimmt Mutti das Netzkabel weg und steckt es in die Steckdose. 
Entrüstung, Beleidigungen, Decke muss renoviert werden.

Bei Mediamarkt offenbar normal, Kunden für blöd zu halten.

Gemeinsame letzte Szene beider Clips: Jürgen Klopp, die Trainerikone ist extra zu Dir gekommen, um Deine Weihnachtsbeleuchtung einzuschalten. Gewohnt cool verbindet er Stecker und Steckdose. Warum er das auf einer Leiter macht, die nirgends angelehnt ist, bleibt eines der Weihnachtsmysterien. Mit der soeben eingeschalteten Beleuchtung erstrahlt nun auch ein Mediamarkt-Rentier, welches wohl den gleichen Zahnarzt hat wie Klopp.

Bei Mediamarkt offenbar normal, Prominente zu simplen Installationsarbeiten zu schicken.

Kurzum: wer Weihnachten nicht im Gefängnis, im Krankenhaus oder im Baumarkt verbringen möchte, bestellt vielleicht doch lieber bei Amazon.

Einen positiven Clip, ganz unironisch, möchte ich hier aber auch noch nennen:
Apple Holiday | A Critter Carol | Shot on iPhone 17 Pro

Schlusswort

Das erste Jahr mit einer eigenen Extra-Blaß-Seite ist nun vorüber, die ersten dreizehn neuen Folgen sind raus. Ein paar Kolleginnen und Kollegen der Wärme und von Vattenfall haben den Übergang verpasst oder einfach die Gelegenheit genutzt, sich auszuklinken, aber vier- bis fünfhundert Klicks pro Folge sind mehr, als ich anfangs gedacht habe. Seit der letzten Ausgabe gibt es jede Folge nun auch auf Spotify zum Anhören.

Und natürlich gibt es weiterhin den Newsletter, der Euch über neue Folgen automatisch informiert.

Ich wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ach ja, weil gefragt wurde: 
ob es mal wieder eine neue Lesung in unserem Bürogebäude gibt, steht in den Sternen.

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2 Kommentare

  1. Wie immer sehr erbaulich lieber Micha. Ich wünsche dir und deinen Lieben ein Frohes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr 2026 mit sicher wieder sehr unterhaltsamen Ausgaben.
    Liebe Grüße
    Petra aus der BEW 🙂