Mahlzeit !
Es gibt Firmen, die für ihre Werbung irgendwelche Berühmtheiten engagieren.
Die einen entscheiden sich für weltberühmte Schauspieler, die dann umgangssprachlich Chips anpreisen, andere verpflichten Hoche Gonzalez (gesprochen: <räuspern> und ein e ranhängen), der zu Patrick Hernandez‘ (klingt so ähnlich) Klassiker „Born to be alive“ den bild.de-Kaufberater anpreist. Ebenfalls umgangssprachlich. Wobei „sprachlich“ für das, was „räuspern mit e“ da von sich gibt, vielleicht etwas hoch gegriffen ist. Aus gutem Grund werden daher vorsorglich die wichtigsten Passagen untertitelt.
Wieder andere suchen sich einen ehemaligen Rennfahrer, der landauf, landab unbescholtene Bürger anquatscht und denen den Wert ihrer Autos vorhersagen will. Und mit diesem Diamanten unter den aktuellen Werbespots sind wir schon beim ersten Thema dieser Ausgabe.
Werbung
Einen Link auf den Original-Clip, den ich sonst an dieser Stelle immer nenne, kann ich uns diesmal ersparen. Anders als „Seitenbacher“, der zum Glück überwiegend nur im Süden Deutschlands gesendet wird oder Toom-Clips, die nur eingefleischte Youtube-Nutzer ereilen, ist der Clip dieser Ausgabe gefühlt seit Monaten in allen TV-Kanälen, im Radio, in den sozialen Medien, als Klingelton und als Begrüßung unter Freunden zu sehen und zu hören:
„Ralf Schumacher?“ Ohne Begrüßung, ohne Handschlag, ohne Begründung, warum er in Wohngebieten rumschleicht, kommt dieser direkt zur Sache: „Du willst wissen, wieviel Dein Auto wert ist?“. Der völlig überrumpelte Einfamilienhaus-Bewohner antwortet ängstlich „Ja“ und ergänzt in Gedanken „so hat es mir schließlich der Regisseur vorgesagt und die 50 € Komparsenentschädigung bekomme ich auch nur, wenn ich jetzt Interesse heuchele“.
Dieser kurze Moment der Unachtsamkeit war das Stichwort für unseren Hauptdarsteller. Er läuft schnell zur Hochform auf, schaltet sprichwörtlich in den sechsten Gang und spult sein Programm ab. Nennung der URL wirkaufendeinauto.de, Handy in die Kamera halten, um die Einfachheit der App deutlich zu machen, nach zwanzig langen Sekunden ist alles vorbei.
Zurück bleiben ein verstörter Vorort-Bewohner, der eigentlich nur den Müll rausbringen wollte, jetzt aber sein Auto verkaufen soll und natürlich wir, die seit über einem halben Jahr, als Helene Fischer mit ihrem Tanz-Clan eine Lidl-Filiale irgendwo in der Pampa auf links gedreht hat, keine so nervige Dauerbeschallung mehr erleben mussten.
In besonders schlimmen Fällen kann sowas bis zu einem Konsumenten-Boykott führen. Shell zum Beispiel, wurde, als sie vor Jahrzehnten eine Bohrinsel einfach in der Nordsee versenken wollten, monatelang gemieden. Soweit ich mich erinnern kann, hat denen das richtig weh getan. Ich könnte mir vorstellen, dass seit einigen Wochen Autoscout24 oder die zahllosen Schotterparkplätze mit Glitzerbanderolen, auf denen Gebrauchtwagen feilgeboten werden, massiven Zulauf erhalten.
Aber wir wissen ja, alles Schlechte hat auch eine gute Seite. Und Sixt wäre nicht Sixt, wenn sie nicht sehr schnell reagiert hätten.
Die schicken nämlich Cora Schumacher, Ralfs Ex, ins Rennen und in die gleiche Straße, wo unser armer Komparse eben noch den Wert seines Auto erfahren musste. Ob er wollte oder nicht. Ihr ist es aber „bumsegal“, wieviel das Auto wert ist. Dafür zeigt sie dem armen Vorort-Bewohner, wie schnell und günstig er ein Auto bei Sixt mieten kann. Zwischendurch ruft noch „Ihr Ex“ an, den sie einfach wegdrückt und an eine passende Internetadresse hat Sixt auch gedacht: Wirhabendeinauto.de
Und weil ich diese Art der Werbung liebe, hier dann doch der Link zum Clip, allerdings zu dem von Cora: https://www.youtube.com/watch?v=wuwB3A51Jrg
Wo wir gerade bei Links sind… natürlich darf hier der Link zu den „motherfucking wind farms“ nicht fehlen. Es soll ja Leute geben, die den immer noch nicht kennen:
https://www.youtube.com/watch?v=bunG-GGqzQc
Spät, aber nicht zu spät, hier der erste kurze
Flache
Oder ist es ein flacher Kurzer? Egal, lest selbst:
IKEA: Der kleine „es geht dich einen Scheiß an, wie ich heiße“ möchte bitte aus dem Kinderparadies abgeholt werden.
Sprachpanscher
Unsere Sprache ist nicht einfach. Schon die Kommaregeln, für Nicht-Muttersprachler so nachvollziehbar wie ein Fachbuch über Kernphysik, setzen hier Maßstäbe.
Und macht mal diesem durchaus lernwilligen Nicht-Muttersprachler klar, dass trotz rund einer halben Million deutscher Wörter ein und dasselbe Wort einen Elternteil, aber auch ein Stück Metall, was auf eine Schraube gedreht wird, beschreibt. Oder, um im beruflichen Kontext zu bleiben, ein Vorgesetzter und ein Gestell, um zum Beispiel die Deckenlampe montieren zu können, das Gleiche ist. Ihr müsst nicht überlegen, die Auflösung folgt gleich. Warum heißt ein Nadelbaum so wie der Knochen, ohne den wir nicht sprechen könnten. Nein, ich rede nicht von der Obertanne. Und: gehe ich in die Bank, will ich entweder Geld holen oder ein Sitzmöbel zerstören.
Der Leiter montiert eine Mutter und läuft dann an der Kiefer vorbei, weil er zur Bank will.
Aber Mutter setzt sich auf die Bank, weil ihr der Kiefer wehtut, nachdem sie von der Leiter gefallen ist.
Und dann kommt der Durchschnittsdeutsche, der ohnehin nur 10% der rund 500.000 deutschen Wörter kennt und sogar nur 3% nutzt, und erfindet laufend neue Wörter oder spricht einen Mix aus Deutsch und anderen Sprachen, vorzugsweise der englischen.
Lieferdienste
Die Qualität der Lieferdienste hatten wir in Ausgabe 04/2025 schon mal angerissen.
Schon bei den Ankündigungen trennt sich die Spreu vom Weizen.
Bei Amazon und DHL wird die Lieferung nahezu minutengenau angekündigt. Oft kann man das Lieferfahrzeug live auf dem Stadtplan verfolgen. Demnächst wohl auch mit Webcam aus der Fahrerkabine.
Hermes nimmt es nicht ganz so genau, ist aber immer noch recht pünktlich und zuverlässig.
Die Krönung ist Picnic. „Lars wird Ihnen um 13:32 Ihre Ware übergeben. Er ist frisch geduscht, hat schon gefrühstückt und freut sich, Ihnen <hier stehen dann alle Positionen der Lieferung> übergeben zu dürfen.“ Um 13:31 hält der surrende E-Laster vor dem Haus und auf die Sekunde um 13:32:00 klingelt Lars.
Weizen.
Etwas anders sind UPS, DPD und GLS.
Bei UPS fehlt aus gutem Grund die Beifahrertür. So kann der Fahrer nur kurz den Fuß vom Gas nehmen und während der Fahrt das Paket in den Vorgarten werfen. Der Zustellzettel wird am nächsten Tag auf gleiche Weise ausgehändigt.
GLS stellt grundsätzlich nicht an der Haustür zu. Wie durch Zauberhand findet sich abends der Zustellzettel im Briefkasten. „Wir haben Sie nicht angetroffen und Ihr Paket wurde in der nächsten Abholstation hinterlegt. Diese befindet sich in Wuppertal. Ihr Paket kann in frühestens fünf Wochen werktags zwischen 12:32 und 12:34 abgeholt werden. Werktags bedeutet bei uns dienstags.“
Und DPD… keine Ahnung, gibt es die wirklich?
Spreu.
Aber ich wollte eigentlich über das Praktische schreiben, quasi den Akt der Auslieferung. Wir wohnen in einer sehr kleinen Straße, eine Spur für beide Richtungen. Wenn die Müllabfuhr da ist, kommt der Verkehr für 10 Minuten komplett zum Erliegen. Wobei, eigentlich ist hier gar kein Verkehr, außer wenn von den Nachbarn mal jemand weg muss. An manchen Tagen aber verwandelt sich unsere Straße zu einem nationalen Handels-Hotspot. Von allen Seiten drängen kleine Lieferwagen, teils leise surrend, teils mächtig brummend, in unsere kleine Straße, kämpfen um die wenigen freien Parkplätze, parken Einfahrten zu oder bleiben, die Aussichtslosigkeit erkennend, schlicht mitten in der Straße stehen. Die Lieferzeiten scheinen mit der Müllabfuhr abgesprochen. Noch nie habe ich einen Müllwagen und Lieferdienste gleichzeitig in unserer Straße gesehen. Vielleicht sind es sogar die gleichen Fahrer.
Sind die Wagen dann zum Stehen gekommen, kann man wuseliges Treiben von der Straße hören: Schiebetüren, herunterfallende Pakete, verschiedene Haustür-Klingeltöne.
Der UPS-Mann ist sauer, dass er anhalten muss und nicht wie gewohnt seine Pakete abwerfen kann.

Meine Nachbarin möchte vom Parkplatz auf die Straße fahren. Sie muss wohl zur Arbeit. Nach nur 10 Metern wird sie in ihrem Vorhaben jäh gestoppt. Selbst wenn, und sie würde das nie selbst tun, selbst wenn sie den Stapel mit den Paketen, der direkt vor ihrem Wagen in der Hauseinfahrt steht, beiseite räumen würde, würde sie immer noch durch den verwaisten DHL-Laster ausgebremst. Der Amazon-Fahrer lässt sie kurz und knapp mit den Worten „Ist nicht mein Auto!“ abblitzen. Hektisches Stimmengewirr.
Wenn die Jungs erstmal einen Stellplatz haben, beliefern die von da die ganze Straße. Ein Hinweis in der App „nur noch 5 Stopps entfernt“ kann also durchaus bedeuten, der Laster steht direkt vor Deinem Haus, der Fahrer ist aber noch beschäftigt und kommt in einer halben Stunde zu Dir. Nach knapp einer Stunde ist alles vorbei, meine Nachbarin hat wieder einen medizinisch vertretbaren Ruhepuls und die Straße fällt wieder in den gemütlichen Vorstadt-Schlaf. In den folgenden Stunden hört man vermehrt das Klappern der Altpapier-Tonnen, die nun mit reichlich Verpackungsmaterial gefüllt werden.
Aber schon morgen kommt ja wieder die Müllabfuhr.
Ich bin zufrieden, heute im Homeoffice zu sein, hole meine zweite Tasse Kaffee und setze mich wieder an meinen Rechner.
Ob ich dem DHL-Fahrer hätte sagen sollen, dass meine Nachbarin zwar nicht öffnet, aber direkt vorm Haus im Auto sitzt. Naja, zu spät. Jetzt muss sie halt morgen das Paket aus der Abholstation holen. Falls nicht der Müllwagen ihren Weg versperrt.
Wir nähern uns dem Ende dieser Folge und deshalb folgt der
Abschlussflache
Therapeut: Wenn Du Leute hasst, schreib ihre Namen auf Zettel und verbrenne sie.
Patient: Hab ich gemacht. Und was soll ich jetzt mit den Zetteln machen?
Schlusswort
Jetzt muss ich doch nochmal zur Tür, es klingelt. Der Hermes-Fahrer hat ein Paket für den Nachbarn gegenüber: „Ist doch viel einfacher, wenn alle anderen schon durch sind.“ Ich nehme das Paket an, stelle es ihm vor die Wohnungstür und auf dem Rückweg stolpere ich im Flur. Ein Leiter steht im Weg.
Das beste an der Werbung mit Jorge ist, dass er mit „Kauf kein Kack“ sehr deutlich davor warnt, die BLÖD-Zeitung zu erwerben.
Danke für den Link auf Cora – diesen genialen Spot hatte ich noch nicht gesehen.
Der Postillon hat sich übrigens kürzlich vorgestellt, wie es wäre, wenn Seitenbacher sich der Dienste von Ralf versichert: https://www.der-postillon.com/2025/07/seitenbacher-ralf-schumacher.html
Du hast mir wieder einmal den Start in den Tag versüßt.