Extra-Blaß 05/2025 – Frühling

Mahlzeit !
So, der Winter dürfte nun endgültig durch sein und im nahenden Frühling gibt es wie in jedem Jahr unzählige einzelne Feiertage, die laut danach rufen, die Lücke zum folgenden Wochenende zu schließen oder gleich die ganze Restwoche als Kurzurlaub zu nutzen. 

Kurzurlaub

In den katholischen Bundesländern ist das kein Thema. Da wird ständig gefeiert. Maria Himmelfahrt, Maria geht einkaufen, Maria freut sich auf den Frühling, Maria hat frei. Da wird es eher schwierig, mal 3 Tage am Stück zu arbeiten. Und man kann mit 6 Wochen Jahresurlaub ein ganzes Sabbatical durchziehen.

Aber hier in Berlin, dem wohl gottlosesten Bundesland, haben wir immerhin Ostern, Maifeiertag, den Tag der Befreiung und Himmelfahrt. Und den Frauentag. Der eröffnet schon im März den Feiertagsreigen und ist sogar für Männer frei. Fällt dieses Jahr aber auf ein Wochenende. Anders als die meisten kirchlichen Feiertage. Da heißt es: einmal Donnerstag, immer Donnerstag.

Das alles bietet reichlich Gelegenheiten, mit drei Urlaubstagen zwei Wochen am Stück frei zu nehmen oder mit 18 Tagen drei Monate zu pausieren. Und gerade, wenn man sich wieder an regelmäßiges Arbeiten gewöhnt hat und sich auf den Sommerurlaub freut, ist Pfingsten. Zack, wieder ‘ne kurze Woche. 

Deswegen: Kalender raus, Brückentags-Tetris spielen und schon mal für Weihnachten / Neujahr üben.

Nach diesem kurzen Auftakt der

Flache

Kommt ein Pferd in einen Blumenladen.
Haben Sie Margeriten?

Was ich schon immer nicht wissen wollte

Habt Ihr rosa Eier?
Also im Garten? 
Wenn die selbstbemalt sind und bald Ostern ist, kein Problem. Seltsame Farbe, aber kein Problem. Wenn Ihr Hühner habt, lebende, nicht in der Kühltruhe, auch kein Problem. Alles normal. Wenn die aber so aussehen wie unten im Bild, dann unbedingt weiterlesen, denn das wäre nicht gut.

Eier der Apfelschnecke aus einem Focus-Beitrag
© https://www.focus.de/wissen/rosa-eier-im-garten-dann-muessen-sie-sofort-handeln_6ced1d51-4ef5-4080-b689-d9997069ff06.html

Dann nämlich habt ihr die Pomacea canaliculata. Was klingt wie eine italienische Vorspeise, ist die gefährliche invasive Apfelschnecke, eine Einwanderin aus Südamerika. Die ist giftig, vertreibt einheimische Arten und ist meldepflichtig. Nun ist Buenos Aires rund 12.000 Kilometer von Berlin entfernt und eine Schnecke ist mit 3 Metern pro Stunde unterwegs.

Die Viecher sind demnach bei ihrer Ankunft hier entweder fast 500 Jahre alt, exzellente Schwimmer und ziemlich gut trainiert oder sie haben sich von einer Schlepperbande einschleusen lassen, die vorgibt, Ananas oder Kokosnüsse zu importieren. So oder so, unser einheimisches Getier ist in Gefahr. Im Einzelfall könnte man dies noch in Kauf nehmen oder gut heißen. Gerade jetzt im Frühling sind zum Beispiel wieder unvorstellbare Mengen an Feuerkäfern unterwegs, so eine Art Sondervermögen der Fauna. Da mag man den Latino-Schnecken zurufen: „Lasst es Euch schmecken“. 

Aber es geht um mehr. Die Warnhinweise sind dramatischer als die auf Zigarettenschachteln. „Rosa Eier nicht selbst entfernen!“ und „Zum Schutz Ihrer Gesundheit sollten Sie die Entsorgung und Bekämpfung der Eier besser nur Profis überlassen“ sind mehr als deutlich. Sind das Biowaffen? Wen holt man da? Gibt es Eierbekämpfer? Sind gar Aktivisten unterwegs, die sich für den Schutz dieser Schnecken starkmachen und die Bekämpfung bekämpfen? Vielleicht kann man sie einfach mit der Schneckenpost wieder zurückschicken. 

Frühjahrsputz

Anders, als es der Begriff vermuten ließe, wird hier keine Jahreszeit gereinigt. Vielmehr fangen, sobald es mal zwei Nächte keinen Bodenfrost gab, Gott und die Welt, vor allem die Welt an, Wohnungen, Gärten, Garagen und Keller auf links zu drehen, zu putzen, zu entrümpeln und zu renovieren.

Wir natürlich auch. Ein ursprünglich als Gästezimmer geplanter Raum mutierte mit der Zeit zum Abstellraum und soll nun wieder bewohnbar werden. 

Im ersten Schritt müssen alle Beweise, die auf einen Abstellraum schließen lassen, beseitigt werden. Das heißt: entrümpeln. Montags bis freitags kann man nach Feierabend maximal zum Ausräumen nutzen und Ebay Kleinanzeigen schalten. Und den Müll stapeln. Der dann samstags zum Recyclinghof gebracht wird. 13 Uhr spielt Hertha. Ja, früher war das 15:30, da waren die Gegner aber auch Dortmund oder Bayern. Heute wird um 13 Uhr gespielt, gegen Ulm oder Elversberg. Gegen 15 Uhr ist dann Schluss. 

Bis 13 Uhr ist das nicht zu schaffen. Da hätte ich mich morgens um 7 anstellen müssen, um rechtzeitig zum Anpfiff wieder zu Hause zu sein. Nach 15 Uhr auch nicht. Der Hof bei uns im Bezirk macht um 16 Uhr dicht. Die, die da kurz vor 4 noch reinfahren, warten seit mehreren Stunden. Es wurde bereits das THW beim Verteilen von Getränken beobachtet. Und die fünf Dixi-Klos auf der Zufahrtsstraße stehen ja auch nicht ohne Grund da. Da brauch ich nicht mehr antreten, denn vor Montag morgen kommt man nicht mehr ran.

Aber es gibt ja noch den großen, gerade modernisierten Hof ein paar Kilometer weiter. Für die Insider: Gradestraße. Der hat bis abends um 7 auf und ist so groß, der hat eine eigene Postleitzahl. Es folgt der Schlusspfiff, dritter Sieg in Folge, große Freude und ab ins bereits gepackte Auto. Anderthalb Kilometer vor der Einfahrt zum Hof erreichen wir das Ende der Warteschlange und ich stelle fest, dass ich nicht der Einzige war, der den Samstag so geplant hat. Ich bin nun entweder Teil einer Gruppe von hunderten Hertha-Fans, die alle heute entrümpeln oder nach einem enttäuschenden Spiel spontan ihre Fan-Utensilien entsorgen wollen oder einem neuen gesellschaftlichen Trend auf der Spur: extrem queuing, sowas wie flash mob, nur in Reihe.

Offenbar hat es sich rumgesprochen, dass dieser Hof länger geöffnet hat. Viele kommen aus dem nahen Osten, Brandenburger und polnische Kennzeichen. Nimmt man die durchschnittliche Länge eines Pkws, die Anzahl der Fahrzeuge, die gleichzeitig abgefertigt werden können, die Entfernung zum ersten freien Dixi-Klo, die durchschnittliche Aggressivität in den Gesichtern der Wartenden und die Zahl derer, die sich in die Schlange reinschummeln wollen, kann man leicht die voraussichtliche Wartezeit ausrechnen. Es ist… sehr lange. 

Irgendwann sehr viel später – auch die Bundesliga, die um 15:30 begann, ist inzwischen beendet und wurde mittels Sky Go auf dem Tablet verfolgt – erreicht man die Schranke.
Es dämmert bereits, auf dem Bürgersteig sitzen junge Leute um brennende Mülltonnen, spielen Gitarre und singen „Dust in the wind“. 
An der Schranke erklärt man dem freundlichen Mitarbeiter in orange kurz den Grund des Besuchs. „Ein zerlegter Schrank und vier Säcke Entrümpelung“. 
„Der Schrank is Sperrmüll, ditt kommt inne 2 und die Säcke sind Hausmüll. Det is die 3. Die kosten aba. Oder Du packst dit bei Dir in‘ Hausmüll.“ ertönt es in rustikalem heimischen Dialekt.
Ich überlege kurz. Nein, das geht nicht. Es können mich schon genügend Leute nicht leiden, die Nachbarn müssen nicht auch noch auf diese Liste. Außerdem könnte ich eher die Hausmülltonne in einen Sack stecken als andersrum. Also, ab zur 3 und zahlen.

Nach 10 Minuten und 18 Euro ist alles erledigt. Ab nach Hause, gleich beginnt das Tipico-Topspiel, oder wie Lothar Matthäus sagt: „das Dibbigo-Dob-Spiel“.

Wo wir gerade bei Intelligenz und exakter Sprache sind…

Redewendungen

eignen sich hervorragend, den Redewendenden zu blamieren. Einmal vermischt oder verwechselt, und der Effekt, die eigene Intelligenz hervorzuheben kehrt sich ins Gegenteil.

Doch langer Schwede, kurzer Sinn, hier ein paar Beispiele:

„Im Urlaub kann man mal so richtig die Hose baumeln lassen.“
Ja, kann man, war aber ursprünglich nicht so gedacht und hat sehr wahrscheinlich andere Konsequenzen als das Original.

„Wer doppelt kauft, kauft zweimal.“
Mathematisch ohne Zweifel richtig, aber ohne den philosophischen Tiefgang.

„Mein Leben ist voller Wermut.“
Drückt zwar nicht die gewünschte Schwere aus, ist aber immer noch besser, als wäre es voller Radler.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch mit zwei Irrtümern aufräumen:
Prophylaxe sind keine hauptberuflichen Fische und
Philatelisten sind keine Ansammlung von Leuten, die nicht an Gott glauben.

Aber den Rochen habt Ihr sicher schon selbst gebraten.
Wenn es um Redewendungen geht, wisst Ihr ja nun, wie der Hase weht.

Heuschnupfen

Laut Robert Koch-Institut leiden rund 15 Prozent der Deutschen an Heuschnupfen.
Jetzt können wir mal durchzählen… jede Folge Extra-Blaß wird zurzeit rund 400-mal geklickt. Es sind also 60 von Euch direkt betroffen. Halt, nur 59. Mich könnt Ihr schon mal mitzählen.

Pollenkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, beginnend im Frühling

Was ist das für eine dämliche Laune der Natur?

Pollen dienen, wenn ich das im Biologie-Unterricht richtig verstanden habe, der Fortpflanzung. Bei Pflanzen. Und sie werden auf unterschiedlichste Arten transportiert. Durch Wind, durch schlichtes Runterfallen und ganz beiläufig auch durch hungrige Bienen.

Was denkt sich so eine Pflanze? Hej, es ist Frühling, da baue ich jetzt mal ordentlich Pollen zur Art-Erhaltung, wird bestimmt bald wieder windig. Und Bienen sind auch schon wieder unterwegs. Und bei der Gelegenheit ärgere ich mal all die Typen, die mich zu Sträußen binden, aus mir Brot oder Bier machen oder mich in Gärten und Straßen einpflanzen. Ich mach die nicht nur lecker für Bienen und leicht für den Wind, ich mach die auch noch so, dass sie den Menschen sämtliche Schleimhäute wegätzen. Und weil ich besonders witzig bin, spreche ich mich mit meinen Kumpels ab und wir verteilen uns fast aufs ganze Jahr. Nur im Winter nicht, da ärgern die sich eh schon genug über Schnee und Eis und haben gar keine Zeit für mich.  

Die Natur schlägt zurück! Naja, die Leute von Ratiopharm freut es. Cetirizin, Cortison, Nasenspray, die Möglichkeiten sind unerschöpflich. Und bestimmt gibt es auch schon Globuli gegen Heuschnupfen. 
C3 sprich 1:1.000.000 verdünnt, sorry, potenziert, schließlich kriegt man ja auch nur einen Teil der Pollen ab. Oder so. Vielleicht hilft es ja auch, die kleinen Kügelchen ins Blumenbeet zu streuen. Oder an die Birke vor dem Haus. Einen Versuch wäre es wert. 

Wir nähern uns dem Ende dieser Folge und deshalb folgt der

Abschlussflache

„Treffen wir uns heute Abend auf 1-2 Bier?“
„12 schreibt man ohne Bindestrich !“

Schlusswort

Habt Ihr den Fehler im Titelbild unserer Frühlingsfolge entdeckt?
Natürlich, das Kind auf dem Dachgepäckträger darf nicht stehen. Viel zu gefährlich.
Auch Kinder auf dem Dach gehören selbstverständlich in einen Kindersitz. 

Nun wisst Ihr alles, was für einen Kurzurlaub und lange Wochenenden wichtig ist. Und passt auf, wenn Ihr in ein Stauende kommt. Das muss kein Urlaubsverkehr sein. Vielleicht ist nur ein Recycling-Hof in der Nähe.

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