Extra-Blaß 04/2025 – Fastfood ist nur fast food

KI-generiertes Fastfood-Menü

Mahlzeit !   
Und nie war diese Begrüßung passender als beim heutigen Thema.
Bevor wir allerdings in das Thema „Food“ und ganz besonders in „Fastfood“ einsteigen, zur Eröffnung der 

Flache

Wie versenkt man ein ostfriesisches U-Boot?
Anklopfen!

Essen to go

Dass man bei der Essenzubereitung sorgfältig sein sollte, wissen wir seit Wuhan.
In diesem kleinen, beschaulichen Millionenstädtchen in China, 3 ½-mal so viel Einwohner wie Berlin, wurden vor einigen Jahren auf dem Wochenmarkt, wenn man die Verschwörungstheorien über Geheimlabore mal außer acht lässt, Fledermäuse to go unsachgemäß zubereitet.
Was dann folgte, wissen wir alle. Pandemie, Lockdown, Impfung, Wirtschaftskrise.
Sowas passiert dann eben, wenn man mal die Kühlkette unterbricht oder das Sagrotan zur Neige geht.

Doch bevor wir uns die Unterschiede in der Essenzubereitung ansehen zwischen einem chinesischen Delikatess-Marktstand, einem Fastfood-Drive In und, sagen wir, einer Kreuzberger Döner-Bude, die gleichzeitig Internetcafé, Wettbüro, Friseursalon und zum Jahreswechsel offizieller Böller-Handelsplatz ist, schauen wir erstmal mal auf das Thema

Kalorien

Energie wird in Kalorie (kcal) oder Joule (J) angegeben. Ich sage seit jeher Kalorie, ich sag‘ aber beim Auto auch immer noch PS, obwohl längst Kilowatt der Standard ist. Ich schreibe aber auch Delphin immer noch mit ph. Und solange England mit Geschwindigkeiten in Meilen pro Stunde hantiert, habe ich da auch kein schlechtes Gewissen. Zurück zu den Kalorien.

Am Tag braucht ein Mann, abhängig von Alter und Aktivität, ganz grob zwischen 2.000 und 3.000 Kalorien. Frauen rund ein Fünftel weniger. 
Und jetzt schauen wir uns mal ein Whopper-Menu an: Whopper, große Pommes, große Cola…
Whopper 790, Pommes 520, Cola 170. Macht knapp 1500 Kalorien und da ist die Mayo und die Extra-Scheibe Käse noch nicht dabei. 
Wenn man nicht gerade ein junger Mann ist, der tagsüber die Stadtautobahn neu asphaltiert, bleibt da kaum noch Spielraum für ein ausführliches Frühstück, ohne mit der Zeit um die Hüften herum etwas fülliger zu werden.

In der Apotheke bekomme ich für jeden Hustenbonbon eine 15-minütige Einweisung und muss glaubhaft darlegen, dass ich innerhalb der letzten sechs Wochen nichts zu mir gekommen habe, was irgendwelche Wechselwirkungen haben könnte. Müsste mich da nicht die studentische Hilfskraft hinter dem Burger King-Tresen mindestens darauf hinweisen, dass ich das gewünschte Menü nur dann bekommen kann, wenn ich seit dem Morgengrauen höchstens eine halbe Tomate gegessen habe? Und weiterhin die Vollendung meiner Bestellung von einem feierlichen Schwur vor dem anwesenden Publikum abhängig machen, bis zum Sonnenuntergang nichts mehr zu essen, was den Nährwert eines Stücks Pappe übersteigt?

Halten wir fest: ein Glas hohes C Orange deckt den Tagesbedarf an Vitamin C und ein Whopper-Menü deckt knapp den Tagesbedarf an Kalorien. Den Rest des Tages muss man dann halt nährwertlose Gurken, Tomaten, Zitronen, Zucchini oder Sellerie essen. Oder Papier kauen. Oder eben zunehmen.

Und bis eben haben wir nur über die guten Stoffe gesprochen. Kalorien und Vitamine sind ja grundsätzlich erstmal nicht Schlechtes. Reden wir stattdessen doch mal über polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, heterozyklische aromatische Amine und Acrylamid. 

Das ist das Zeug, was beim Braten und Frittieren entsteht. Und wenn das beim Aussprechen schon weh tut, kann das nicht gesund sein. Aromatisch zwar, aber eben ungesund. Außerdem hört sich das eher wie ein Deutsch-Rapper-Duo an und nicht wie ein krebserregendes Frittier-Produkt. Hören Sie nun Amine und Akkrül-Amid mit ihrem neuen Song: „Walla, isch schwör, lass Pommes ballern!“. 

Eine Studie hat mal ergeben, dass zwar der Whopper besser schmeckt als der Big Mac, aber mehr Schadstoffe hat. Aber irgendwas ist ja immer. 

Eine Pizza hat übrigens so viel Kalorien, da muss gleich noch das Frühstück am nächsten Tag ausfallen. Und auch beim Döner-Teller sieht das alles ziemlich ähnlich aus.

Capsaicin und Scoville

Was klingt wie zwei der vier Musketiere, hat mit Schärfe zu tun. Das eine (Capsaicin) ist die Zaubersubstanz, die z.B. in Peperoni und Chili für Schärfe sorgt. Auch Wärmepflaster werden daraus hergestellt. Und Pfefferspray. 

Das andere (Scoville) ist die Einheit, die die Schärfe bestimmt und es noch einfacher macht, Pizzen von Pfefferspray zu unterscheiden. Bei 15 bis 20 Scoville bemerkt man Schärfe, ab 500 wird’s normalerweise ungemütlich.

Scoville-Skala
https://www.normexgroup.com/blogs/blog-recipes/scoville-scale

Man sagt, dass die schärfsten Sorten nur gegen Rezept, Waffenschein und sauberes Vorstrafenregister ausgehändigt werden dürfen. Soweit das Basiswissen. Und während sich Amateure ihren Döner entweder „mit alles“ oder „mit Knoblauch und scharf, wie immer“ bestellen, um das wartende Publikum hinter sich in der Schlange zu beeindrucken, fand 2014 in Berlin die erste Schärfe-WM mit den Profis statt und der Sieger hatte in der letzten Runde 7,7 Mio. Scoville zu bewältigen.

Im Verlauf der zehn Runden, in denen sich das Teilnehmerfeld in der komplett ausverkauften WM-Imbiss-Bude durch immer schärfere Currywürste kämpfen musste, fielen immer wieder einzelne Wettbewerber in Ohnmacht und diverse Kreisläufe machten schlapp. Atemnot war allen gemeinsam.
Von denen, die noch irgendwie sprechen konnten, hörte man Kommentare wie „damit kann man Wunden desinfizieren“, „da brauchst Du keine Pestizide“, „ab nach Gorleben mit der Pampe!“ und „ich kann links nicht mehr sehen“. Und die extra aufgestellten Dixi-Klos mussten nach der Veranstaltung sämtlichst verschrottet werden.

Was lernen wir daraus? Zu viele Kalorien gehen die auf die Figur, zu viele Scoville direkt auf das vegetative Nervensystem. Training erhöht zwar die Verträglichkeit von Schärfe, aber die Dauer eines Menschenleben reicht wohl nicht aus, um jemals an dieser WM teilzunehmen. Man braucht einfach Schleimhäute aus Teflon. Aber probiert es einfach selbst aus. Und es soll bitte niemand glauben, nur weil er seine Currywurst scharf bestellt, sei er der Härteste. Sowas zählt für die Profis als Schonkost. Wie so oft, gilt auch hier: „Die Doris macht das Gift“. 

Hotdog-Pizza

Fastfood: Werbeflyer von Tele-Pizza

Wer denkt sich sowas aus? Und wie weit geht das noch?
Gibt es demnächst dann die Mett-Igel-Pizza? Mit Salzstangen?
Oder den Käseschnitzel-Döner mit Tomatensoße?

Ich dachte, vor einiger Zeit wäre der Höhepunkt mit der Dr. Oetker-Schokoladenpizza erreicht. Zumal man heutzutage schon gesellschaftlich geächtet wird, wenn man sich Ananas auf die Pizza legt.
„Das ist doch keine Pizza mehr“, „Ananas gehört in den Obstsalat, nicht auf ‘ne Pizza“, „wie krank muss man sein“ und „wer Pizza mit Ananas isst, schubst auch Omas vor den Bus“ muss man sich da anhören.

Und dann kommt da einer und schnetzelt Hot Dogs drauf. Und kippt anschließend noch Röstzwiebeln, Gurke und Sauce drüber. Wie soll das funktionieren? Kommt das alles gleichzeitig in den Ofen und sieht fertig gebacken aus wie nach einem Drohnenangriff oder kriege ich da einen Bausatz? Warmer Teig und vierzehn Zutaten zum Draufträufeln? 

Ich werde es ausprobieren, ich esse ja auch Pizza mit Ananas 😉

Lieferdienste

Es gibt Situationen, da sind Lieferdienste die einzige Chance, abends noch etwas Warmes zu bekommen. Der kaputte Elektroherd, verschneite Straßen, die berühmte fehlenden zwei Eier, der insolvente Chinese um die Ecke oder einfach die fehlende Lust, sich noch in die Küche zu stellen sind die häufigsten Gründe, einfach andere für sich kochen zu lassen und sich das Ganze an die Wohnungstür liefern zu lassen.
Doch der Weg bis zum gedeckten Tisch kann steinig sein.

Gibt es Eure Straße mehrmals in Eurer Stadt? 

Dann verabschiedet Euch von dem Gedanken, dass Euer Essen jemals pünktlich und warm nach Hause geliefert wird. Sie kriegen es einfach nicht hin. Nicht über die eigentlich eindeutige Postleitzahl, nicht über klare Hinweise, nicht über Flehen und Betteln an der telefonischen Hotline, dem Fahrer doch bitte die Details durchzugeben. Auch nicht, wenn einem freundlich mit chinesischem Dialekt „Yah, zah-ge ich ihm nah-tü-lich gehr-ne“ entgegnet wird. 

Mit viel Glück hast Du nach einigen Monaten den immer gleichen Fahrer so weit, dass er sich die richtige Adresse irgendwann merkt. Sobald aber der Fahrer wechselt, heißt es wieder warten, hinterher telefonieren und kaltes, matschiges Essen. Es bleibt also nur, das Risiko in Kauf zu nehmen oder in eine Straße umzuziehen, die nicht verwechselt werden kann.

Hast Du dann doch voller Hoffnung eine Bestellung abgesetzt, wirst Du während der Wartezeit betreut. Anfangs macht der Online-Shop oder die App, in dem man die dampfende Pizza, den leckeren Döner oder das würzige China-Menü bestellt hat, noch Hoffnung. Während Du das Bestellte schon vor Deinem geistigen Auge auf dem Esstisch siehst, erscheint „Lieferung in ca. 20 Minuten“. Kein Problem, so lange brauchst Du, um den Tisch zu decken und die Familie zusammenzutrommeln. 

Aktualisierst Du aber die Seite nach zehn Minuten, steht da immer noch „Lieferung in ca. 20 Minuten“. Häufig auch „Lieferung in ca. 30 Minuten*“. Echtzeit-Tracking… Der Stern bedeutet, dass sich die Lieferung aufgrund von Verkehrsdichte, Unwohlsein des Fahrers oder eines technischen Defekts am Auslieferungs-Moped noch etwas verzögern kann. Je nach Lieferdienst meldet die App zwischendurch gerne auch noch: „Rashid (wahlweise Kevin, Ahmed, Jian, Stefano) ist jetzt unterwegs. Er hat nur noch 13 Stationen vor Dir zu beliefern“. Wir kennen das von der Amazon-Nachverfolgung. 

Nach gut anderthalb Stunden klingelt es dann an der Wohnungstür. Essen ist da ! Vor Dir steht ein meist jüngerer Mann im Profi-Rennradfahrer-Outfit und ein riesiger Rucksack, mit dem man auch Umzüge erledigen könnte. Der Lieferant beginnt, die drei Packungen, die Dir den Abend verschönern sollen, von den anderen zwanzig zu trennen. Noch wunderst Du Dich, warum er wohl Handschuhe trägt. Es wird allerdings schlagartig klar, als er Dir die drei glühend heißen, nicht isolierten Alu-Schalen übergibt. Genau in dem Moment, wo Du die Schalen fest in der Hand hältst, im BGB zurecht Gefahrenübergang genannt, folgt sein Hinweis: „Vorsicht, könnte heiß sein“.

Du hast keine Wahl. Fallenlassen scheidet aus, dann wären anderthalb Stunden Wartezeit für die Katz, abstellen geht auch nicht, das würde sofort Löcher bis in den Keller schmelzen. Also heißt es gute Miene zum heißen Spiel zu machen, schnell noch irgendwie das Trinkgeld übergeben und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht bedanken.

Den Weg von der Tür zum Esstisch legst Du folgerichtig in Rekordzeit zurück. Da Du vorausschauend bist, liegen dort schon die Kühlpads bereit. Die nächsten zwei Wochen wird wieder gekocht, dann ist das abgeheilt. Über den Zustand des Gelieferten, was nun anderthalb Stunden im Schmelzofen verbracht hat, hatten wir etwas weiter oben schon gesprochen. Kein Grund zur Klage, das wusstest Du vorher, jetzt wird gegessen.

Wir haben diese Episode mit einer thematischen Begrüßung begonnen, wir beenden sie mit einem thematischen

Flachwitz

„Seit der Schwangerschaft fresse ich wirklich wie ein Schwein und am liebsten alles durcheinander“
„Dein Kind ist 20 !“

Gefunden bei www.twitterperlen.de

Schlusswort

Wie man es also dreht und wendet, ob Kalorien, Schärfe, ungewöhnliche Pizzen oder geliefertes Essen, es ist alles irgendwie ungesund.
Andererseits heisst es aber auch „… denn Döner macht schöner“, Else Kling aus der Lindenstraße philosophierte „Wenn’s schön macht…“ und Matthäus, der aus der Bibel, nicht der Fußballer, sagte schon „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“

Und am Ende gilt: „Man ist, was man isst.“
Guten Appetit.

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2 Kommentare

  1. Hi Micha, du hast mir heute wieder enorme Lachfalten auf mein Gesicht gezaubert. Danke für diesen Kurzweil, jetzt kann die Arbeit starten :-). LG Petra aus der BEW

  2. ….und wer findet den klitzekleinen Schreibfehler, der bestimmt mit Absicht und für die Lacher eingebaut wurde?
    Ich hoffe nur, es heißt hier niemand so und fühlt sich gedisst 😉
    Ansonsten hab ich jetzt auch mal bestellt und warte aufs Essen – guten Appetit
    Gruß, Bettina