Mahlzeit !
„Wenn Schubert redet, müsst Ihr lachen,
wenn Sträter spricht, macht Ihr Euch nass,
bei Nuhr wollt Ihr nichts anderes machen,
doch jetzt lest erstmal Extra-Blaß.“
Schön, dass Ihr wieder hier seid. Und bevor Ihr nach diesem Start gleich wieder geht und nach Kopfschmerztabletten und Durchfallblockern sucht, keine Angst:
mehr Lyrik gibt‘s heute nicht.
Vor unserem kleinen Einblick in die deutsche TV-Kultur der ersehnte
Flachwitz
Wie heißt ein spanischer Sägewerkarbeiter, der noch keinen Unfall hatte?
Alle-hand-dro
Na, vielleicht doch eine Kopfschmerztablette?
Es wird noch schlimmer. Wir schauen uns heute mal das deutsche Fernsehen an.
Das weihnachtliche Fernsehprogramm
In der Vorweihnachtszeit, „zwischen den Jahren“ und wenn man den Silvesterkater überwinden muss, landet man immer mal wieder vor dem Fernseher.
Und nun machen wir mal eine kleine auflockernde Übung.
Jedes Mal, wenn Ihr eine der folgenden Sendungen gesehen habt, hebt Ihr eine Hand.
Kurz reingezappt zählt als gesehen.
Bereit? Die erste Sendung ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel„.
Da sollten schon jede Menge Hände hochgehen. Lief auf jedem öffentlichen Kanal, zu verschiedensten Zeiten, keine Chance, davonzukommen. Und die Musik kriegt man frühestens Ostern wieder aus dem Kopf.
Die nächste Sendung ist „Dinner for One“. Kann man ohnehin seit Jahren mitsprechen, aber wer am 31.12. den Fernseher mal eingeschaltet hat und sagt, das nicht gesehen zu haben, lügt.
Cheerio, Miss Sophie!
Es geht weiter.
ZDF – Album 2024. Innerhalb einer Woche dreimal im ZDF, dann auf ZDF Neo, ZDF Info, wahrscheinlich auch im KiKa und mit französischen Untertiteln auf arte.
Weiter. Der Klassiker. Die Neujahrsansprachen des Noch-Kanzlers und des Bundespräsidenten. Guckt das eigentlich jemand freiwillig?
Nächste… Florian Silbereisen, beim Schlagerboooom aus München. Der Flo-rrrrri. Immer wieder goldig. Diesmal, wohl aufgrund der Witterungsverhältnisse, ohne Lederhose. Zum Glück aber mit langer Hose.
So, noch knapp 20 Zeilen Text, dann kann hier keiner mehr weiterlesen, weil längst alle Hände oben sind und niemand mehr scrollen kann. Daher… Abbruch, nehmt die Hände wieder runter.
Mit dem Zweiten verspätet man sich besser…
Beim ZDF-Silvester-Countdown, der öffentlich-rauschenden Party am Brandenburger Tor, zählte man, wie Milliarden Menschen anderswo, die letzten Sekunden des alten Jahres runter.
Vielleicht war es eine Vorahnung, wir hatten uns zuhause auf unsere Alexa verlassen. Also das kleine Amazon-Teil, das mit Frauenstimme alles Wichtige der Welt für Dich zusammenfasst.
Schnell war klar, hier stimmt was nicht. Das ZDF hing hinterher. Die Frage war also, wem vertrauen.
Jeff Bezos oder Andrea Kiewel? Die Entscheidung fiel leicht. Als wir die Sektgläser schon fast geleert hatten, war dann auch das ZDF zur Stelle. Gut 10 Sekunden zu spät. Ich vermute, dass dadurch Millionen Deutsche zu spät ins Jahr 2025 gestartet sind.
Leider noch früh genug, um Andrea Kiewels Meisterstück der Anmoderation zu erleben.
Es folgte der Rapper Ski Aggu, Markenzeichen Skibrille, berühmt durch Hits wie „Party Sahne“ und „Pa aufs Maul“. Kiewel, wie immer herzlich lächelnd: „Und nun Tschi augi“.
Ok, „Kiwi“ ist ungefähr mein Alter, möglich also, dass auch sie ihn vorher nicht kannte, aber wenn ich über Piotr Szczebrzeszyński reden muss, übe ich vorher die Aussprache.
Oder trinke vorher drei Whisky. Tschä-brr-tse-tschünski übrigens.
Bevor wir mit dem Fernsehprogramm weitermachen, ein kurzer Ausflug in die Abgründe der
Sprachpanscher
Mein Nachbar klingelt. Nicht der Nachbar selbst, das sagt man nur so. Also nochmal. Es klingelt an der Wohnungstür, mein Nachbar steht davor.
Ich bin im Homeoffice und habe noch zehn Minuten bis zur nächsten Teams-Runde. Also gehe ich hin und öffne.
„Sag mal, hast Du ein Paket für uns?“. Ich überlege kurz, ob ich einen Geburtstag vergessen habe und noch schnell was organisieren kann. Dann fällt mir ein, dass wir aufgrund der günstigen Erdgeschoß-Lage die zentrale Postannahmestelle im Haus sind. Nicht, dass wir uns darum beworben hätten. Das hat sich mit der Zeit ergeben, da wir, also meine Frau, den Online-Versand recht intensiv nutzen. Was dazu führt, dass die Pakete für die Nachbarn auch gleich bei uns abgeladen werden. Spart Zeit für den Boten und fördert die Nachbarschaft. Win-win.
Ich schaue hoch, mein Nachbar wartet noch auf eine Antwort.
„Nee, heute nicht. Von wem soll denn was kommen?“. Er druckst etwas herum und erzählt was von neutralem Karton, keine Aufdrucke. Ich unterbreche ihn und frage präziser: „Nein, welcher Lieferdienst?“. Denn DHL ist heute schon durch, Hermes habe ich noch nicht gesehen und Amazon kommt eh meistens erst nachmittags. Er atmet erleichtert auf: „DPD“.
„Ach herrje“, entgegne ich, „DPD ist Glückssache“.
Ganz im Ernst, da gibt es riesige Unterschiede. Während Amazon jedes Paket liebevoll und zentimetergenau exakt zur vereinbarten Uhrzeit an seinen Platz stellt und nochmal abstaubt, sind Hermes und DHL ähnlich zuverlässig, nur die Zeiten stimmen nicht immer. Und in der DHL-App bekommt man hin und wieder den Hinweis, dass sich aufgrund von Krankheit des Fahrers, Stau oder Pollenflug die Auslieferung verzögert. Ähnlich glaubwürdig wie die Personen im Gleisbett bei der S-Bahn.
Aber UPS und DPD sind eine andere Liga. UPS hat nicht ohne Grund auf der Beifahrerseite eine Schiebetür. Die dient einzig und allein dem Fahrer, um während der Fahrt das Paket auf das Grundstück zu werfen. Und DPD habe ich noch nie irgendwo gesehen. Haben die überhaupt Lieferfahrzeuge? Irgendwie kriegen die unbemerkt die Benachrichtigungszettel in die Briefkästen, mit dem man frühestens nächsten Monat sein Paket irgendwo in der Nähe von Rostock in einem Fischgeschäft abholen kann, zwischen 17 Uhr und 17 Uhr 10. Aber Pakete ausliefern, so ganz altmodisch an der Tür übergeben, nein, noch nie.
Mein Nachbar nickt zustimmend und sagt:
„Wem sagst Du das?“
Und damit sind wir nach dieser sehr kurzen Einleitung bei unserem Sprachpanscher.
„Wem sagst Du das?“. Ich überlege kurz und antworte „Na, Dir, ist doch kein anderer da“.
Was ist das für ein Quatsch? Ich weiß ja, was er meint. Resignierte Zustimmung. Aber wie kommt man auf so eine Antwort?
Er hätte sagen können: „Da hast Du wohl recht“, „man kann sich den Lieferdienst meistens nicht aussuchen“, „die machen ja auch nur ihren Job“, irgendwas in dieser Art.
Aber „Wem sagst Du das?“. In einer Teams-Besprechung mit zehn Personen, einer fragt „wie geht es Dir?“, da passt das. Oder ich laufe bei Saturn durch die Gänge, schaue auf die Kaffee-Vollautomaten. Ein Verkäufer kommt, stellt sich im Gang gegenüber alleine hin und sagt „Ich mag ja lieber Tee“. Da auch. Aber wir stehen zu zweit und unterhalten uns. Wem sonst hätte ich das also sagen sollen? Und gerade, als mein Nachbar ansetzt, mir diesen Auffahrunfall der Sprache zu erklären, hält draußen ein rot-weißer Transporter, ein Mann mit einem Paket steigt aus, kommt auf uns zu und sagt: „Paket für Sie“. Ratet, was ich ihn gefragt habe.
Zurück zum
Fernsehprogramm
und unserem kleinen Einblick in die deutsche TV-Kultur.
Rudi Carrell dürfte den meisten von Euch ein Begriff sein. Er moderierte unter anderem Klassiker wie „die Rudi Carrell Show“, „Am laufenden Band“, „Herzblatt“, „Lass Dich überraschen“ und „Rudis Tagesshow“, um nur die allerbekanntesten seiner Sendungen zu nennen. Er war ein Star.
Heute wollen uns viele Sendungen schon im Titel klarmachen, dass es sich bei den Protagonisten um Stars handelt. Sind sie aber nicht.
Wer von Euch kennt Maurice Dziwak? Kleiner Tipp, selbst wenn, sagt es niemandem.
Er ist von der Pike auf durch alles gegangen, was sinnbildlich für die aktuelle deutsche TV-Kultur steht. Gestartet hat er seine TV-Karriere bei „Love Island“.
„Love Island“ ist sowas wie Tinder für großflächig Tätowierte. Und man sollte den eigenen Vornamen buchstabieren können. Kein K.O.-Kriterium, ist aber von Vorteil. Hier soll er wohl mehrere Versuche gebraucht haben, schließlich hat er sich aber irgendwie qualifiziert. Mit dieser Referenz im Gepäck begann die Star-Laufbahn.
Es folgte „Sommerhaus der Stars“, der Pisa-Test für „Promipaare“. Das Siegerpaar wird in Spielen ermittelt, die leider allzu oft offenlegen, dass die Teilnehmer intellektuell völlig unbewaffnet sind. „Liegt Deutschland in Europa oder in Asien“ führt schon mal zu Antworten wie „ich dachte, das liegt in Bayern“. Dagegen kommt auf die Frage nach Ski Aggus neuestem Hit wie aus der Pistole geschossen: „Pa aufs Maul?“.
Auf andere Fragen leider auch …
Der „Kampf der Realitystars” ist eigentlich das gleiche, nur nicht für Paare. Hat man die Beziehung, die noch für das Sommerhaus Bedingung war, inzwischen wie heutzutage üblich via Social Media beendet, kann man hier als Einzelkämpfer weiter Fernsehgeschichte schreiben.
Auch die Moderatorinnen sind hier schon hochkarätiger. Mit Cathy Hummels und zukünftig Arabella wird die Messlatte schon verhältnismäßig hoch gelegt. Verhältnismäßig.
Hat man das alles absolviert und wurde immer noch nicht inhaftiert, steht buchstäblich als Krönung der Dschungel an.
„Dschungelcamp – Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“
Hier treffen sich die Sieger der eben erwähnten Shows, Viertelfinalteilnehmer vom Bachelor, sporadisch auch Leute, die es die gesamte Hofwoche bei „Bauer sucht Frau“ ausgehalten haben.
Und natürlich, und jetzt kommen zumindest frühere Stars ins Spiel, gealterte oder bankrotte oder vorbestrafte Ex-Profisportler und Schauspieler. Oder auch gealterte, bankrotte UND vorbestrafte Ex-Profisportler und Schauspieler. Die sind daran erkennbar, dass sie meist von den Dschungelprüfungen befreit sind, da diese nicht in Einklang mit ihrem Gesundheitszustand oder den Bewährungsauflagen zu bringen sind.
Im Wesentlichen geht es bei den Prüfungen im Dschungelcamp um zwei Dinge.
Zum einen müssen die Teilnehmer Dinge essen, die hierzulande oft mit Insektenspray bekämpft werden oder nur in Zoos bewundert werden können.
Zum anderen wird der Körper und die Psyche Situationen ausgesetzt, die selbst im internationalen Kriegsrecht strikt geächtet werden. So wird man zum Beispiel fünf Minuten lang an ein großes Holzrad gekettet und kopfüber durch eine Jauchegrube gedreht. Oder man muss in einer sargähnlichen Kiste mit wahlweise 100.000 Kakerlaken oder 50 in der Regel ungiftigen Schlangen verharren. Bei dieser Aufgabe sind Experten uneinig, ob das Kriegsrecht oder doch eher der Tierschutz Anwendung finden sollte.
Die Aufgaben könnten durch den jeweiligen Prüfungspartner verkürzt werden, dies setzt jedoch richtige Antworten auf ähnlich komplexe Fragen wie oben genannt voraus. Daher bleibt es meist bei 5 Minuten Jauche oder 50 Schlangen.
Der andere große, vielleicht noch viel schwierigere Teil des Camps ist das Zusammenleben mit gut einem Dutzend anderer „Stars“. Da prallen alt auf jung, Ex-Star auf kein Star, Egoisten auf vermeintliche Teamplayer und Bachelor-Viertelfinalisten auf DSDS-Verlierer. Und jeder will seine Follower auf Tiktok zufriedenstellen, nur ohne Tiktok, da im Dschungel absolutes Handyverbot herrscht. Da das Fernsehpublikum über die eigene Zukunft entscheidet, möchte man aber auch möglichst natürlich und nett wirken. Ein Widerspruch, an dem viele zerbrechen und der zu Verhaltensweisen führt, über die nicht selten Psychologie-Studenten in Masterarbeiten schreiben. Manchmal auch angehende Exorzisten.
Der Gewinner ist ein Jahr lang Dschungelkönig und einen Teil seiner Schulden los. Die Verlierer werden noch eine Weile für Baumarkt-Eröffnungen gebucht.
Was war das früher einfach: drei Programme, in Berlin fünf, in der DDR zwei, über die anderen sprach man nicht. Und am Montag „auf Arbeit“ hatte man ein Gesprächsthema, weil alle das gleiche gesehen hatten, meistens Rudi Carrell.
Zum Schluss der finale
Flache
Ich mache jetzt ein Praktikum beim ZDF.
Das reicht fürs Erste.
Schlusswort
Dreihundert Klicks auf den Jahresrückblick, knapp hundert Newsletter-Abonnenten. An den Likes können wir noch arbeiten 😉 Insgesamt ein schöner Start für diese neue Seite, wie ich finde.
Werbung bei LinkedIn läuft, auf Google kann man das inzwischen auch schon finden,
mal schauen, wo die Reise hingeht.
Oder um es mit Rudi Carrell zu sagen: „Lass Dich überraschen“.
Mach ich. Bis bald…
Du sprichst einem, wie immer, aus der Seele. Man fühlt sich in die guten alten Zeiten versetzt. Vielen Dank lieber Micha
Du hast bei Deinem weihnachtlichem Fernsehprogramm zu Sylvester meine absoluter Lieblingssendung vergessen: Die Sylvester Folge von „Ein Herz und eine Seele“.
LG Katrin
Ich liebe Extrablass 👍😂
Wenn du von DPD einen Zettel im Briefkasten hast, dann bist du aber schon ganz weit vorne. Der wird bei uns meist gespart und verdeutlicht somit noch einmal, dass der Fahrer nicht da war (ich bin ja im Homeoffice).
Zur Krönung haben wir dann einmal erlebt, dass das Paket im Zoogeschäft in der Hauptstraße zur Abholung wartet … nur halt nicht in Wilhelmsruh, sondern in Oranienburg.