Extra-Blaß 16 – Positiv denken

Mahlzeit !
Positiv denken! Wir müssen wieder positiv denken. In Zeiten wie diesen ist das wichtiger denn je. Alles hat auch eine positive Seite.

Selbst dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz (Folge 14) konnte man etwas Gutes abgewinnen. Wir konnten den Zusammenhalt unter Nachbarn und Freunden erleben und haben gelernt, wie sportlich unser Bürgermeister ist. Und der eine oder andere hat sein eigenes Organisationstalent entdeckt.
Auch die Tatsache, dass am Berliner Hauptbahnhof 35 von 52 Rolltreppen defekt sind, hat was Positives. 17 funktionieren schließlich, das sind immerhin 32 % und reicht in vielen Bundesländern, den Ministerpräsidenten zu stellen.
Oder meine Hertha. Klar, die Ergebnisse sind in den letzten Jahren nicht unbedingt positiv. Aber nur Warmduscher sind Bayern-Fans. Die gewinnen ja ständig. Langweilig. Als Hertha-Fan wird Dein mentaler Zustand Woche für Woche anderthalb Stunden auf die Probe gestellt. Blutdruck, Puls und Herzrhythmus müssen unter Extremst-Bedingungen arbeiten. Quasi ein kardiologisches Bootcamp. Körperlich gestählt wacht man Montag früh auf und kein Problem dieser Welt kann einem noch etwas anhaben, schließlich hat man das Schlimmste bereits am Wochenende überstanden.

Ein letztes Beispiel: Handwerker, z.B. ein Installateur. „Wir kommen am Montag ab acht Uhr!“ Super, aber oft wird nicht dazu gesagt, an welchem Montag. Und in welchem Monat. Und „Montag ab acht“ kann auch Mittwoch um zwölf bedeuten. Ist ja nicht gelogen. Was ist daran jetzt positiv? Nun, man ist Montag früh um acht bereit, hat sich Zeit genommen und wartet. Spätestens um halb neun reift die Erkenntnis „das könnte sich ziehen“. Und so beginnt man, die Zeit zu überbrücken. Kleinere Aufräumarbeiten, hier eine Ecke abgestaubt, dort ein Kabel verstaut, was schon lange genervt hat. Manch einer hat schon beim Warten auf Telekom, UPS, Ista-Ableseservice und andere hinlänglich bekannte Dienstleister das Wohnzimmer komplett tapeziert, die Buddenbrooks gelesen oder ein Studium nachgeholt.
Ok, der Abfluss ist immer noch verstopft, aber der Rest der Bude sieht tip-top aus. Das hätte sonst noch Wochen gedauert.

Ihr seht, man muss gar nicht lange suchen, um das Positive zu finden.

Zwischendurch ein

Flacher:

Wenn ein Rocker mit der Bahn fährt, ist er dann ein Bahn-dido?

Ok, schnell weiter.

Nach einiger Zeit nun wieder ein

Sprachpanscher

Eigentlich könnte ich in jeder Folge über mindestens zwei Sprachpanscher schreiben.
So vielfältig, wie unsere Sprache ist, so vielfältig sind auch die Ideen, sie zu verhunzen.
Und so habe ich mich heute für eine Redewendung entschieden, die sicher nicht die aktuell schlimmste, aber dennoch eine typische Sprechblase ist.

Eine beliebige Unterhaltung zwischen zwei Personen in der Kaffeepause:
Heinz: „Hast Du mitbekommen, dass der Dieter gestern schon wieder zu spät gekommen ist?“
Horst: „Ja, die Kollegen sind schon reichlich sauer.“
Heinz: „Genau, und der Sören hat sich jetzt beschwert. Beim Chef, nicht beim Dieter.“
Horst: „Was, wirklich, nee, ist an mir vorbeigegangen.“
Heinz: „Wer?“
Horst: „Was wer?“
Heinz: „Wer ist an Dir vorbeigegangen? Und warum erzählst Du das? Ich habe doch gerade vom Sören erzählt.“
Horst: „Was?“

Und aus. Weil Horst Sprechblasen nutzt, ist die Unterhaltung hier beendet und wir werden nicht mehr erfahren, was Sören nun beim Chef erreicht hat. Horst holt sicher auch Kollegen in Besprechungen ab, stellt was in den Raum, lehnt sich weit aus dem Fenster und im schlimmsten Fall muss er beim Synergien heben noch Skills evaluaten.

Ihr seht, dass wenn einer von beiden diese blumige Blasensprache nicht mitspielt, die Unterhaltung schnell zu Ende ist. Beim nächsten Mal wird Horst wohl antworten: „Was, wirklich, nee, das wusste ich nicht“. Oder er sagt: „Ach der Dieter, der kann nichts dafür. Für den muss ich eine Lanze brechen.“ Dann allerdings, lieber Horst, sehen wir uns in der nächsten Folge wieder.

Aus der neuen Reihe „Die wahre Geschichte“: jedes Wort ist wahr, es wurde nichts hinzugefügt.

Sky is the limit

Hier mal ein Auszug aus meinem Chat mit Sky, nachdem ich mit dem Sky Q-Receiver ein Problem hatte.

Chat: Du sprichst jetzt mit Israel.

Es geht los

Als ich den Chat startete, war ich Nummer 68. Nach nur rund einer halben Stunde meldete sich dann „Israel“.
Gedanken sind im folgenden kursiv geschrieben.

Nach der halben Stunde Wartezeit habe ich eine minimal erhöhte Grundaggressivität, bin aber hauptsächlich zufrieden, dass es nun endlich losgehen kann und gespannt.

Sky: Hallo Michael, schön, dass du mich im Chat gefunden hast. Für dich zur Information – ich werde von einem Übersetzungsprogramm unterstützt. Damit ich dir schnell weiterhelfen kann, möchte ich dich bitten, in kurzen Sätzen zu schreiben. Was kann ich für dich tun?

Soweit so gut. Ich bin zwar auf Sky.de, meine Vertragsdaten sind bekannt, ich schreibe deutsch, also wozu braucht der ein Übersetzungsprogramm. Und ich habe ihn auch nicht gefunden. Ich habe ihn nicht mal gesucht. Ich habe schlicht gewartet. Eine halbe Stunde. Aber mal sehen, was passiert.

Ich:   <Problem beschrieben>.
Sky:   Ich verstehe, wie frustrierend es sein muss, wenn ein Receiver nicht einwandfrei funktioniert, …

Ich brauche eigentlich keinen Seelsorger. Ich brauche jemanden, der technisch mein Problem löst. Aber mal sehen, was passiert.

Ich:   Was bedeutet das für mich? Ich habe einen Sendersuchlauf durchgeführt und …
Sky:    Ich verstehe, wie verwirrend und frustrierend das sein muss. Der Fehlercode erscheint, wenn …

Vor einer Woche ging alles noch. Ich werde ein wenig gereizt. Aber mal sehen, was passiert.

Ich:   Das ist interessant, hilft mir aber nicht. Ich möchte diese Sender schauen. Was ist zu tun?
Sky:   Ich verstehe dich, Michael. Es ist frustrierend, wenn du die aufgelisteten Kanäle siehst, sie aber nicht wirklich sehen kannst …

Ok, Textbausteine. Entweder kennt Israel die Lösung nicht oder er weiß, dass er im Unrecht ist. Gleich passiert was!

Es eskaliert

Ich:   Diese Programme sind für mich freigeschaltet. Ich bezahle dafür und kann sie nicht sehen und ich möchte jetzt bitte eine Lösung.
Sky:   Ich verstehe, wie enttäuschend es ist, wenn du für Programme bezahlst und erwartest, dass sie funktionieren. … Ich weiß, dass dies nicht das Ergebnis ist, das du dir erhofft hast, aber das System ist so konzipiert.

Bin ich hier in einer Sky-Selbsthilfegruppe gelandet? „Du, Michael, erzähl doch mal ganz offen, was Du mit deinem Receiver erlebt hast.“ Ich bin nun deutlich gereizt.

Ich:   Das sagst Du mir jetzt zum vierten Mal. Kann ich bitte mit einem Menschen chatten? Mit der KI kommen wir wohl nicht weiter.
Sky:   Ich fasse es als Kompliment auf, dass du mich für eine KI gehalten hast, aber eigentlich bin ich dein Agent hier im Chat. Dies ist der einzige Support-Kanal, der im Moment verfügbar ist. Bitte habe Verständnis dafür, dass es aufgrund von Lizenzbeschränkungen … Ich weiß, dass das nicht die Antwort ist, die du dir erhofft hast, aber ich will ehrlich zu dir sein.

Das war kein Kompliment. Ganz im Gegenteil, mein Lieber. Ich bin gefangen in einer Endlosschleife, wie im Film „und täglich grüßt der Sky-Kundendienst“.

Ich:   Sag mir bitte, wie ich umgehend mein Abo beenden kann.

Wenn er jetzt noch einmal mit „ich kann verstehen, dass Du…“ antwortet, geht hier die Post ab.

Sky:   Ich kann verstehen, dass du so frustriert bist.

Ok, mein Freund, Du hast es so gewollt. Ich tippe los und lasse meiner Wut freien Lauf, erinnere mich dann gerade noch rechtzeitig an einen Artikel über „Kriminalität im Internet“. Der hat meinen Namen, Geburtsdatum, Adresse. Da ist es vielleicht nicht allzu clever, im schriftlich zu geben, was ich von ihm und seinem Laden halte.

Bevor die mich wegen Beleidigung eines was auch immer rankriegen, habe ich den Chat dann beendet. Kündigung für den Zweit-Receiver wird in Kürze rausgehen.
Und schreibt mir doch mal in die Kommentare, ob Ihr „Israel“ für eine KI oder einen Menschen haltet.

Krimiserien

Krimiserien haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. In den 70ern hat der Kommissar und später Derrick erst ermittelt, dann die ganze Familie zusammengetrommelt und am Ende im Wohnzimmer der Münchner Villa eben dieser Familie den Mörder präsentiert. Mit einem Glas Whisky in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand fragte Kommissar Keller den vermeintlichen Täter, nachdem er minutenlang Tatverlauf, Motive und die Verwerflichkeit des Verbrechens erklärte, ob es denn nicht genauso gewesen ist. Dieser legte dann, obwohl vieles davon unbewiesen war, schnell ein Geständnis ab. Festnahme, gerne untermalt mit der Aufforderung des Kommissars „schafft ihn mir aus den Augen“, Rückfahrt ins Präsidium mit zwei Promille, es war heute schon der dritte Whisky, Abspann.

Dann kam Schimanski. Der war deutlich rustikaler als Derrick, trug keinen Anzug, das war eher eine Jacke aus der Altkleider-Sammlung und zwei Drittel seiner Texte würden heute überpiept werden. Verfolgungsjagden ersetzten die alkoholisierte Fahrt ins Präsidium, Schlägereien die feinsinnige Recherche und der Täter hat kein Geständnis abgelegt, der hat von Schimmi vor der Festnahme erst noch nen Aufwärtshaken bekommen. Meist musste Schimmi selbst am Ende ein Geständnis bei seinem Chef ablegen, da er bei seiner eigenwilligen Recherche dann doch das eine oder andere Gesetz übertreten hat. Apropos

Festnahme

Egal, ob „ein starkes Team“, „SOKO Wismar“, „CSI Castrop-Rauxel“, „Kriminelle unter Palmen“ oder „Täter sucht Opfer“: Der Täter wird nach einem Kampf oder einer Verfolgung oder einem Fluchtversuch (hier variieren die Serien stark) dingfest gemacht, oft kniet der Ermittler auf dem Verdächtigen oder er drückt ihn an eine beliebige Hauswand oder ein zufällig dort parkendes Auto (auch hier variiert die Handlung). Dann folgt der Griff nach hinten an den Hosenbund, die Handschellen holen.

Doch halt, da sind keine Handschellen mehr. Immer, außer vielleicht im Tatort Münster, wo Professor Boerne den Verdächtigen ohnmächtig quatscht, bevor ihn Thiel mit dem Fahrrad abtransportiert, wirklich immer kommt eilig der zweite Ermittler hinzugeeilt und wirft seinem Partner dieses nützliche Ding aus Stahl zu. Und immer hat dieser den Täter schon so weit im Griff, dass er genau diese eine Hand frei hat, um die begehrte Ausrüstung zu fangen. Sind es Sparmaßnahmen, sind Handschellen am Set Mangelware, ist es nur ein gewollter Regie-Effekt, keine Ahnung. So oder so kriegt ein eher langweiliger Vorgang dadurch aber einen zusätzlichen Spannungsbogen. Und der Täter eine Chance zur Flucht, falls der Inspektor mal danebengreift.

Bevor wir zum Schluss kommen, hier schnell noch der zweite

Flache

„Ich lasse jedes Wochenende die Sau raus!“
Bernd, 52, Bauer

Schlusswort

Es ist so einfach, dem Motto dieser Folge „Positiv denken“ zu folgen. Klar, nachts ist es zwar immer noch oft knapp unter Null, aber seht es doch mal so: tagsüber wird der Regen schon wärmer.
Der Frühling steht vor der Tür, Ostern und viele Brückentage ebenso. Und hin und wieder zeigt sich sogar blauer Himmel. Am Wochenende werde ich meine Hertha auf dem einen Receiver, der noch funktioniert, ansehen und meine Vitalwerte stählen. Und wenn der auch nicht funktioniert, werde ich „Israel“ anrufen und danach wahrscheinlich verhaftet. Aber vielleicht fliegen die Handschellen ja an mir vorbei. Positiver gehts nicht mehr.


Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ein Kommentar