Extra-Blaß 12/2025 – Drei Kamelle für Tünnes und Schäl

Mahlzeit !
Folge 12 im November, klingt komisch, ist aber so. Muss wohl daran liegen, dass ich schon im Januar einen Kreativschub, oder wie meine Familie sagt, einen Laber-Flash hatte und gleich zwei Folgen geschrieben habe.
Wie auch immer, wir haben Ende November, es geht mit riesigen Schritten auf Weihnachten zu, doch auch im November gab es noch Interessantes zu berichten. Meine Hertha ist wieder in der Erfolgsspur, in den Supermärkten ist die erste Lieferung mit Dominosteinen bereits ausverkauft, es soll wieder gemustert werden und natürlich passt das Thema der ersten Geschichte, Karneval, zum November. Doch bevor wir richtig einsteigen, zur Eröffnung der

Flache

Deine Zähne sind wie Gelsenkirchen und Duisburg. Da ist noch Essen dazwischen.

Bleiben wir gleich im Westen der Republik, wo die folgende Geschichte überwiegend spielt.

Karneval

In dem Film „Die Feuerzangenbowle“ verwies Oberstudiendirektor Dr. Brett häufig auf sein eigenes Buch mit den Worten „In dem von mir verfassten Buche ‚Die Gerechtigkeit des Lehrers unter besonderer Berücksichtigung der höheren Lehranstalten‘…“ 
81 Jahre später möchte ich auf mein Buch „Extra-Blaß Ausgabe 1“, Seite 15 verweisen, in dem ich bereits über den Karneval unter besonderer Berücksichtigung der regional unterschiedlichen Intensität der Feierlichkeiten schrieb…

So wird in Berlin das Ganze mit einem lapidaren „Wat soll’n der Scheiß“ abgetan, andere wieder behaupten, hier wäre ganzjährig Karneval, jedenfalls, wenn man abends mit der U8 fährt. Und in Hamburg kärchert man wie immer im Herbst den Fischmarkt nach der letzten Sturmflut, würde aber nie auf die Idee kommen, dies verkleidet zu tun und dabei Bonbons durch die Gegend zu schmeißen. Und je weiter man in den Süden kommt, hat man es mit mehr oder weniger, oft weniger gut gelungenen Kopien von Karneval, Fasching oder Fastnacht zu tun.

Zurück zum Original. Warum der 11.11.?
Elf ist die „Narrenzahl“, weil alles zwischen der biblischen Zehn (Gebote) und Zwölf (Apostel) nur närrisch sein kann. Damals gab’s „bekloppt“, „gaga“ und „cringe“ noch nicht, deshalb „närrisch“. Und so gesehen ist der 11.11. für dieses Fest im Nachhinein sehr passend gewählt.

„Elf Freunde müsst Ihr sein“ hat damit übrigens überhaupt nichts zu tun. Elfen auch nicht. Anders als der Elfer-Rat, der keine Selbsthilfegruppe von Video-Schiedsrichtern, sondern eine wichtige Institution ist, die die Veranstaltungen in den kommenden Wochen und Monaten bis Februar organisiert. Da nämlich endet das Spektakel am Rosenmontag. Offiziell erst am Aschermittwoch, aber die letzten zwei Tage werden zum Ausnüchtern gebraucht und zählen eigentlich nicht.

Der Elferrat

Und so plant der Elferrat die zwischenzeitlichen Sitzungen, lässt die großen Wägen für die Umzüge bauen, entscheidet, ob die übergroßen, tonnenschweren Pappmaché-Abbilder vom Kanzler, vom russischen und vom amerikanischen Präsidenten diesmal lustige, zu große Nasen oder lustige, zu große Ohren bekommen und legt fest, wann in den berüchtigten Büttenreden der Tusch gespielt werden soll. 

Ein wichtiges Hilfsmittel, wenn man nach vier Stunden Prunksitzung und dem drittem Kanister Kölsch oder Alt noch Pointen erkennen möchte, die schon nüchtern schwer auszumachen sind. Wer will schon sinnlos an völlig belanglosen Stellen klatschen oder lachen. Dann doch lieber auf Zuruf bzw. auf Tusch.

Das Kölner „Alaaf“ leitet sich übrigens von „alles weg“, „vor allem anderen“ ab und bedeutet in etwa
„Köln vor allem!“ – eine stolzer kölscher Narrenruf.
Also sowas wie die erste Strophe des Deutschlandliedes, nur viel regionaler.
Das Düsseldorfer „Helau“ ist dagegen ein Ausdruck reiner Freude und leitet sich ab von „Hurra!“, allerdings unter Alkoholeinfluss. Probiert es gerne selbst einmal aus.

Der Narrengruß

Zum Karneval gehört auch der Narrengruß, sehr entfernt vergleichbar mit dem militärischen Gruß. Im Karneval verliert der Gruß jedoch die militärische Präzision, vermutlich auch hier dem Alkohol geschuldet. Das Herumwischen an der eigenen Schläfe soll „Ich bin ein Narr und nicht ganz zurechnungsfähig!“ signalisieren und ist deshalb das wohl überflüssigste aller Rituale. Denn das, liebe Närrinnen und Narren, sieht man auch so.

In der nächsten Geschichte geht es um Corylus avellana, die gemeine Hasel.
Nicht zu verwechseln mit dem Langohr, der an Ostern die Eier so hinterlistig versteckt, dass sie niemand finden kann. Das ist der gemeine Hase.
Wir reden aber über die gemeine Hasel, die Haselnuss. Hier und heute über exakt drei Haselnüsse. 

Und über eine junge Frau, die weltweit mit verschiedensten Identitäten unterwegs ist. Mal nennt sie sich Cinderella, mal Aschenputtel. Wenn sie in Weihnachtsfilmen auftritt: Aschenbrödel.

Wer in den letzten 50 Jahren nicht gerade in einer Höhle oder hinter einem großen Stein gelebt habt, muss sie bzw. den Film kennen: 

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel 

Und warum kommt das schon in der November-Ausgabe? Ganz einfach. Beim Dreh in der 70ern hat die DEFA als Co-Produzent offenbar festgelegt, dass dieser Film niemals in Vergessenheit geraten darf. Nach der deutschen Einheit wurde das dann von der ARD übernommen. Dies sollte mit rund zwanzig jährlichen Sendungen rund um Weihnachten in allen öffentlich-rechtlichen Programmen manifestiert werden. 

Da zwischendurch noch Tagesschau, Maischberger und Gefragt, gejagt gezeigt werden muss und die Zeit nach Weihnachten überwiegend mit Jahresrückblicken und „Dinner for one“ belegt ist, mussten die ersten Ausstrahlungen bereits in den November gelegt werden.

Aschenbrödel - Sendetermine

Quelle: MDR Jump

Nein, im Ernst. Diese Mischung aus The Royals, Sportschau und Deichmann-Werbung hat inzwischen gesamtdeutschen Kultstatus. Die Filmmusik ist einmalig und geht Dir nie wieder aus dem Kopf. Nicht mal, wenn im Radio die „Last Christmas“-Zeit anbricht. Um ganz sicherzugehen, einmal hier reinhören genügt.

Die Hauptdarsteller sind durchweg sympathisch, selbst über die Boshaftigkeit der Stiefmutter und ihrer verwöhnten Tochter muss man schmunzeln.

Stiefmutter

Quelle: eigenes Foto

Auch

die Handlung

steht in nichts nach. Für die wenigen Unwissenden hier eine kurze Zusammenfassung:

Aschenbrödel, die Heldin dieses Märchens, lebt auf einem Gutshof zwischen Champagner und feinen Tüchern. Gehobener Mittelstand. Für sie gibt’s allerdings nur Staubwedel, Schrubber und Erbsen sortieren. Ihre Stiefschwester verbringt die Zeit damit, sich zu schminken, auf Bälle zu gehen und beim gutbetuchten Vater Klamotten zu bestellen, typischer Teenager-Alltag im Barock. Papi musste damals noch selbst in die Nachbarorte reiten und einkaufen. Amazon Prime war längst nicht überall verbreitet.

Vinzek, der gutmütige Stallknecht, gibt Aschenbrödel drei magische Haselnüsse. Wenn heute jemand kleine Kügelchen an Jugendliche weitergibt und von Magie redet, ist das Drogendezernat zur Stelle. Damals war das völlig normal. Jede Nuss kann gegen ein neues Outfit getauscht werden: anfangs wird Aschenbrödel zur Jägerin, die den Prinzen im Wald schnell ins Schwitzen bringt. 

Die zweite Nuss zaubert ihr ein Ballkleid, mit dem sie trotz fehlender Eintrittskarte an den königlichen Türstehern vorbei ins königliche Schloss kommt. Dann Tanzen, wieder Prinz treffen, wieder Schwitzen. Leider war die Nuss nur bis Mitternacht gültig und so verliert unsere Protagonistin beim überhasteten Rückzug einen Schuh. Der Prinz dreht alle Orte in der Nähe auf links, um die nun Halb-Barfüßige zu finden.

Der Schuh

Quelle: eigenes Foto

Die Stiefmutter nutzt die Gelegenheit und versucht dem Prinzen ihre Tochter anzudrehen. Leider hat die zu große Füße. Rucke di gu, Blut ist im Schuh.

Mit der dritten Nuss kommt Aschenbrödel erneut ins Schloss zum finalen Maskenball. Der Prinz erkennt sie sofort, der Schuh passt wie angegossen, die Stiefmutter ist sauer, die Tochter hat Phantomschmerzen im Fuß.

Dann, wie es sich für ein romantisches Märchen gehört: Aschenbrödel, ihr Pferd und der Prinz reiten gemeinsam zur Hochzeit ins Schloss. Happy End. Abspann.

Schloss Moritzburg

Quelle: eigenes Foto

Fazit

Man bleibt zurück mit einem wohligen Gefühl, die Gerechtigkeit hat gesiegt, die Stiefmutter und ihre Tochter liegen im Matsch. Nur die Musik… die geht nie wieder aus dem Kopf.

Abschlussflache

Ich habe heute einen Fuchs auf dem Weg zur Arbeit gesehen.
Woher weißt Du, dass er auf dem Weg zur Arbeit war?

Schlusswort

Mit einem historischen Vergleich habe ich begonnen (Oberstudiendirektor Dr. Brett und sein Buch), mit einem Vergleich möchte ich enden. Andi Möller sagte einmal „Egal, ob Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“. Und Euch möchte ich sagen: „Egal, ob Schloß Moritzburg oder Kölle, Hauptsache Spaß haben.“ Wer sich nun sofort Richtung Schloss Moritzburg aufmachen will, egal ob zu Pferde oder mit dem Verbrenner: die Ausstellung im Schloss Nähe Dresden läuft bis zum 1. März.
Oder Ihr fahrt nach Köln zum Tünnes. Aber passt auf fliegende Kamelle auf.

Quelle: https://www.koelntourismus.de/

Ich werde jetzt erstmal gucken, ob es wieder Dominosteine gibt.

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