Extra-Blaß 41

Mahlzeit !

Fünfzig ist die neue Hundert. Jedenfalls, seit die Kolleginnen und Kollegen der Wärme nicht mehr an Bord sind. Die Zahlen im Intranet haben sich halbiert. Und konnte ich früher bei 100 Likes für diese Ausgabe sehen, dass sie dann wohl nicht ganz so schlecht war, sind das eben jetzt noch 50. Und bevor jetzt einer sagt: „Oder Deine Kolumne ist jetzt einfach Schrott“: ja vielleicht, aber auch die Statistikzahlen der anderen Beiträge sind geschrumpft. 

Nicht geschrumpft ist die Anzahl der Bundestrainer in Deutschland (was für ein fantastischer Übergang, oder?). Die liegt immer noch im zweistelligen Millionenbereich, bei großen Turnieren Tendenz steigend. Und damit sind wir bei der ersten Geschichte.

Doch vorher wie immer der 

ganz Flache zur Eröffnung:

Warum nennt man Zoll-Azubis eigentlich nicht Filzstifte?  

Fußball-EM

Es scheint, als würde man sich diesmal auf das Wesentliche konzentrieren wollen: den Sport. Keine Diskussionen abseits des Spielfeldes, heute wird eher über den Kantersieg gegen Schottland und die überzeugende Vorstellung gegen Ungarn gesprochen. Und über unseren Torwart, der, um keine Langeweile aufkommen zu lassen, zwischen seine Weltklasseparaden gerne mal Kreisligapatzer in sein Spiel einstreut. Und ja, ich kann das einschätzen, ich war zwanzig Jahre Torwart in der Kreisliga 😉

Wo die 50 die 100 ist, ist Julian jetzt der Jogi. Zeiten ändern sich. Nach zwei überzeugenden Testspielen gegen die Hammergegner Ukraine und Griechenland, die beide nicht verloren wurden, hat man spätestens nach den Siegen gegen Schottland und Ungarn schon mal überlegt, in welche Vitrine der EM-Pokal gestellt wird. 

Aber das Turnier bietet noch viele andere schöne Dinge. Es gab viele, sehr viele, wunderschöne Eigentore, im Spiel der Tschechen gegen die Türkei 18-mal gelb, einmal gelb-rot und einmal rot, die bekannten Schauspieleinlagen der üblichen Verdächtigen, die vielen Eingriffe des Videoassistenten und die üblichen Diskussionen und Altersrekorde. Bei Spanien spielt ein 16-jähriger, bei Portugal spielen ein 41-jähriger und ein 39-jähriger und der Altersdurchschnitt der deutschen Mannschaft liegt ebenfalls nur knapp unter dem Renteneintrittsalter. Unser Defensivbollwerk Andrich hat sich die Haare passend zur Trikotfarbe gefärbt. Dumm nur, dass er das pinkfarbene Trikot als Vorlage genommen hat. Nicht zu vergessen sind auch die drei Tore von Belgiens Lukaku, die allesamt vom Videoassistenten einkassiert wurden. Und natürlich gibt es auch diesmal wieder Diskussionen um die Übertragungen. Schließlich sind wir alle nicht nur Bundestrainer, sondern auch diplomierte Reporter. Am besten kam noch Magenta TV weg, aber das haben nicht alle. 

Der Vorschlag in der ARD, die Nationalhymne um „Vielfalt“ zu erweitern, wurde von Eistonnen-Mertesacker schnell abgewürgt. Aber bleiben wir bei „Vielfalt“ (schon wieder so ein Knaller-Übergang). Die Vielfalt der Nationen kann man schon bei den Namen der Spieler erkennen. 

Enden bei Georgien rund die Hälfte aller Namen auf „-shvili“ (wie früher beim SC Freiburg), ist es bei Serbien 24 von 26-mal „-ic“ und bei Dänemark immerhin noch zehnmal „-sen“. Island ist nicht dabei, da hätten alle ein finales „-son“. 

Wer kennt nicht noch Sigtorsson. Nomen est omen. Frankreich legt großen Wert auf das é, gerne kombiniert mit wahllos ausgewählten Konsonanten, die einfach vor dem Namen eingefügt werden (Mbappé), was die Aussprache allerdings nicht unbedingt vereinfacht. Und gerne erinnern wir uns an Thomas N’Kono, den ehemaligen kamerunischen Nationaltorwart. Bis der Kommentator den fehlerfrei ausgesprochen hat, hatte der längst schon den nächsten Angriff eingeleitet. Manuel N’euer geht da schneller.

Übrigens weisen „-son“, „-sen“, „-shvili“ und „-ic“ jeweils allesamt auf die familiäre Abstammung hin (Nachkomme von…).

Ähnliches im Niederländischen, wo jeder Zwanzigste ein „van“ in irgendeiner Kombination in seinem Namen trägt. Hier steht allerdings weniger die familiäre Bande im Vordergrund als die regionale. So stammt z.B. der berühmte frühere Spieler Ruud van Nistelrooy aus der Gegend von Nistelrode. 

Bei uns weniger gebräuchlich, kommt das „von“ in Deutschland doch eher selten vor (0,1%) und weist dann auf eine blaublütige Herkunft hin.
Ralf von der Elbe, Elke von der Gropiusstadt oder Heiko von dem Elbsandsteingebirge sind ja auch gewöhnungsbedürftig, auch wenn Ihr jetzt natürlich mit Ursula von der Leyen und Ulrike von der Groeben kommen könnt. Ja, und die Kunstbeflissenen kennen auch Max von der Grün, aber dann wird es auch schon eng. Im Fußball jedenfalls gibt es da nix, während im aktuellen niederländischen Kader mindestens drei mit diesem Zusatz rumlaufen.

Unter https://www.kartezumnamen.eu könnt Ihr mal nachschauen, wo Euer Name herkommt bzw. häufig vorkommt.

Genug der Kultur, zurück zum Sport. Und da ist jetzt Halbzeit.

Werbung

Quelle: Youtube – Golden Toast

Ich muss zugeben, dass ich diese Werbung zunächst völlig falsch eingeschätzt habe, zumindest was die Mehrheit der Kommentare unter dem GoldenToast-Spot angeht.

Doch schauen wir erstmal rein. Der Clip startet unspektakulär mit einem kleinen Mädchen, das in eine Toastscheibe mit Marmelade beißt. Schnitt, die ganze Familie, Mann, Frau, zwei Kinder sitzen am Frühstückstisch. Soweit, so ungefährlich. Wäre da nicht Alexander Marcus.
Scheinbar ungewollt werden hier einige Parallelen zum Fußball aufgebaut.

Sein Outfit, ein satt-gelbes Sakko mit Glitzer-Applikationen und das apricotfarbene Hemd mit passendem Einstecktuch, erinnert irgendwie an die güldenen Trikots der UEFA-Schiedsrichter. Oder an einen Eismann. Und der Griff ins glühende Waffeleisen (bei Sekunde 8), ohne den Blick von der Kamera zu wenden, kommt dicht an die berühmten No-looking-Pässe von Toni Kroos. Zum Glück hat niemand aus der Requisite das Waffeleisen umgestellt, sonst hätte unser Titelheld jetzt ein dunkelbraunes Karomuster auf der Handinnenfläche. Zum Sakko gesellt sich ein Pfund Butter, das meiner Meinung nach eher aufs Toast als in die Haare gehört hätte.

Auch akustisch ist der Clip auf dem Niveau des Visuellen. Zum Auftakt „Nana-nana-nanaaa, Golden Toast, wow“, gefolgt von „alles ist erlaubt“. Und dieses Motto wird konsequent durch die Optik untermauert. Die ist, wie gesagt, nicht ohne.

Herr Marcus hat eine Ausstrahlung, die man bisher nur von Haustürgeschäften oder den einschlägigen Homeshopping-Kanälen QVC, HSE usw. kennt. Ultracool, als hätte er den Toast erfunden, swingt er mit, erklärt der bemitleidenswerten Familie, wie Toasts belegt werden und schaltet am Ende völlig sinnfrei den Hauptlichtschalter an und aus. Was für eine Stimmungskanone. Immer begleitet durch seinen Blick, der aussagt: „Hey, junge Familie, seid froh, dass ich hier bin. Ohne mich wäre hier gar nichts los und Ihr wüsstet nicht, was man mit Weißbrot alles machen kann.“ Genug Eindrücke, um sich eine Meinung zu bilden. Mir scheint, das alles ist nur möglich, weil Cannabis mittlerweile legal ist. 

Aber dann die mentale Wende. Ich sah die Kommentare unter dem Clip und…
der Typ wird gefeiert. Er hat 2009 den Hawaii Toast Song rausgebracht und ist wohl so eine Art Ikke Hüftgold für Butterfahrten-Teilnehmer. 

Mit diesem Wissen ist das GoldenToast-Video natürlich eine geniale Marketing-Aktion.
Und auch wer Alexander Hüftgold, sorry, Alexander Marcus nicht von damals kennt, über diesen Clip spricht man mit Sicherheit. Wer nun Angst hat, nie wieder sorglos mit seiner Familie frühstücken zu können, ohne diese Bilder in den Kopf zu bekommen: versucht einfach, an Müllermilch zu denken. Die „muuuht“ schlimmstenfalls.

Wie gewohnt hier nun

der finale Kurze vor dem Schlusswort 

In der Steinzeit hatten sehr reiche Leute Nebenhöhlen.

Nach dem Kurzen vor dem Schlusswort kommt… richtig…

das Schlusswort

Während ich das geschrieben habe, gab es noch ein Unentschieden der Deutschen gegen die Schweiz und Danish Dynamite wurde entschärft. Und wenn Ihr das lest, wissen wir auch schon alle, ob für Deutschland die EM weitergeht oder Spanien uns die Henkers-Paella serviert hat. Und wenn ich Eure Kommentare lese, werde ich wissen, wer nie wieder unbeschwert in sein Frühstückstoast beißen kann, weil die Bilder vom GoldenToast-Mann im Kopf rumgeistern. 

Ich wünsche Euch ein spannendes Fußballturnier, einen erholsamen Sommerurlaub und entspanntes Frühstücken. Euer M’icha.

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