Mahlzeit !
August… Ferienzeit, Zeit der großen Sportveranstaltungen, Beginn der neuen Fußballsaison.
Da komme ich Montag früh ins Büro und höre:
„Lustlose Erscheinung, völlig überbezahlt, keine Ideen, jetzt muss man handeln“.
Ich dachte erst, die Kollegen reden über mich, aber zum Glück haben die nur über das letzte Spiel der englischen Nationalmannschaft gesprochen.
Ja, die EM war in aller Munde. Deutschland ist im Spiel gegen Spanien an England gescheitert und die Niederlande sind im Spiel gegen England an Deutschland gescheitert. Denn leider hatten die Schiedsrichter trotz VAR, Torlinientechnik, kalibrierten Linien, Impulserkennung im Ball, Sprechverbot für alle außer dem Kapitän, vierten Offiziellen, die jede Emotion auf der Trainerbank sofort melden, Erfrischungsgetränken bei jedem Einwurf, Horoskop für die kommende Woche, Massage während Auswechselungen und weiteren fünfzig elektronischen Hilfsmitteln leider immer noch sehr viel Ermessens-Spielraum. Und warum ein Schiedsrichter, der für spezielle Pfiffe schon mal Geld genommen hat, ein Halbfinale der Europameisterschaft pfeifen bzw. überhaupt noch einmal einen Fuß auf einen Sportplatz setzen darf, wird wohl auch ein Geheimnis der UEFA und des DFB bleiben. Das Gute ist, dass Herr Zwayer als Berliner niemals meine Hertha pfeifen darf.
Im Finale zeigte sich dann, dass die Experten in zweierlei Hinsicht recht behielten:
Spanien gegen Deutschland war das vorweggenommene Finale und
mit Harry Kane kann man keine Titel gewinnen.
Doch bevor wir uns etwas tiefer mit weiteren Geschehnissen dieses Sommers beschäftigen, wie üblich
ein Flacher zum besseren Einstieg:
Forscher haben herausgefunden, dass man morgens leichter aufstehen kann, wenn der Wecker eine ungerade Zeit zeigt. Statt 6:00 Uhr zum Beispiel 9:35 Uhr.
In eigener Sache
Nein, kein neues Buch und die Jubiläumsfolge 50 kommt auch erst im Frühjahr 2025, aber: natürlich bin ich nicht der Einzige unter mehreren tausend Kolleginnen und Kollegen, der Geschichten schreibt. Und deshalb laden Euch Ariane und ich zu einer Lesung ein.
Am 18.9. um 15:30 h wollen wir mal probieren, wie unser Geschriebenes live ankommt.
Die Details gibt es rechtzeitig über unsere Bildschirme in den Etagen. Aber vielleicht merkt Ihr Euch den Termin schon mal vor. Da wir beide keine Ahnung haben, ob wir da alleine sitzen und uns gegenseitig unsere Geschichten vorlesen oder sich einige von Euch das mal anhören wollen, werden wir Euch um Anmeldung bitten. Je nachdem findet das dann entweder im Reichstag/Olympiastadion (gemeint sind natürlich die beiden Besprechungsräume) oder in einem der kleineren Besprechungsräume statt. Wir sagen auf jeden Fall rechtzeitig Bescheid und sind gespannt.
Sommerspiele

Meine Güte, war das eine anstrengende Sommerpause. So viel Sport, ich bin immer noch völlig außer Atem. Erst die Fußball-EM geschaut, dann bei den Olympischen Spielen mitgefiebert und während in Paris noch um Medaillen gekämpft wird, geht‘s schon ins Stadion zur neuen Zweitliga-Saison. Ich hoffe, im nächsten Jahr gibt es etwas mehr Zeit zum Durchatmen, die Bundesliga startet drei Wochen nach der 2.Liga. Also Hertha, macht was für meine Gesundheit.
Die EM hatten wir ja schon am Anfang dieser Folge und kaum waren alle Partien analysiert, alle Stammtisch-Sprüche gesprochen und alle Autokorsen,- korsi, -korsoe, also alle Freudendemos mit Autos gefahren, ging es gleich in Paris weiter. Schon die Eröffnungsfeier bot mehr Diskussionsstoff als der Auftritt von Herrn Zwayer im Halbfinale. Mitten in der Stadt, das gab es noch nie, dafür gab es bisher immer die Olympiastadien.
Die gesamte französische Geschichte, auch die weniger erfreulichen Episoden, wurde in und an der Seine nachgespielt. Es gab faszinierende Bilder, Superstars, große Inszenierungen, einen kleinen Ausblick auf den CSD und der Eiffelturm wurde fantastisch in Szene gesetzt, nur das Wetter hat nicht so ganz mitgespielt. Also eigentlich überhaupt nicht mitgespielt. Im Gegenteil, ich hatte statt der vielen Boote mit den Sportlern eher mit dem großen Holzschiff und dem alten Mann gerechnet, der zwei Sportler aus jedem Land hereinbittet.
Apropos Seine: zählt die noch als Fluss oder schon als Abwasserkanal?
Früher hatte man Fäkalien einfach aus dem Fenster oder in den nächsten Fluss gekippt. Mit den Jahren wurden die Haushalte und später die Industrie an die Kanalisation angeschlossen. Die meisten. Nicht alle. Und deswegen landen da immer noch Dinge in der Seine, die da nicht unbedingt reingehören. Erst recht nicht, wenn man darin schwimmen soll, was die letzten einhundert Jahre verboten war.
Zwei Wochen vor den Spielen ging die Pariser Bürgermeisterin demonstrativ ins Wasser, sicherheitshalber im Neopren-Anzug. Ob ihr anschließend, sicherheitshalber, der Magen ausgepumpt wurde, ist nicht überliefert. Jedenfalls fand der Triathlon statt und dass sich die Athleten anschließend reihenweise übergeben haben, lag vermutlich nur an der Erschöpfung durch den kräftezehrenden Wettbewerb. Denn zum Glück war genau an diesem Tag die gemessene Wasserqualität in Ordnung. Davor und danach… nicht.
Bleiben wir im Wasser. Es gab zum Glück noch saubere Schwimmbecken. Kristallklares Chlorwasser. Perfekte Bedingungen. So perfekt, dass ein Deutscher die erste Goldmedaille seit 2008 geholt hat. Bisher galt es als Erfolg, wenn kein Mitglied der deutschen Schwimm-Mannschaft ertrunken ist. Und nun Gold. Und seine Ex-Freundin: Bronze.
Und während ich das hier schreibe, sorgt das ZDF für einen historischen olympischen Moment.
Die deutschen Damen der 3×3-Basketballmannschaft stehen sensationell im Halbfinale gegen Kanada, es steht 15:14 und es sind noch etwas mehr als zwanzig Sekunden zu spielen. Auszeit Kanada.
Der ZDF-Kommentar: „Wir schalten nun nach Mainz zum heute-journal und melden uns anschließend wieder.“ Dann zwei Minuten Werbung, ich glaube für Granufink und Treppenlifte, dann Mainzelmännchen, und das heute-journal. Dreißig Minuten später ein Interview mit Edwin Moses, einer Olympia-Legende der 80er. Keine Pointe.
Das Finale, in dem die deutschen Damen zwei Stunden später Gold gewonnen haben, habe ich sicherheitshalber auf Eurosport gesehen.
Stellt Euch mal vor, Fußball-EM, Viertelfinale, England gegen Schweiz, Elfmeterschießen, Alexander-Arnold läuft zum letzten Elfmeter an und die BBC schaltet „zurück nach London zum Daily News Flash“. Ich schätze, deren Studio wäre danach stark renovierungsbedürftig. Aber Frau Müller-Hohenstein hat das einfach weggelächelt.
Wo wir gerade bei der Werbung waren…
Werbung
In den vergangenen Folgen haben wir schon einiges über Werbespots gelesen. Fürchterliche Spots. Manchmal ist aber die Handlung oder der Claim so, sagen wir, bemerkenswert, dass man sich gar nicht an das eigentliche Produkt oder die Marke erinnert. Oder erinnern möchte.
Anfang der 2000er gab es z.B. Cadbury oder Sony Bravia, die waren gut gemacht, aber kaum einer wusste danach, worum es ging. Trotzdem blieb das irgendwie positiv in Erinnerung.
Die Erinnerung auslöschen möchte ich dagegen bei Always Ultra oder bei Swiffer. Ok, bei der ersten Werbung bin ich nicht Zielgruppe. Aber selbst mit gutem Willen kann ich den dargebotenen Tanzfiguren und dem fast gesungenen „Eislaufen ist meine Leidenschaft“ nichts abgewinnen. In Verbindung mit der großen Häufigkeit, mit der dieser Clip gesendet wird, hat das für mich einen sehr hohen Nervfaktor.
Der zweite Clip hat sich bei mir schon durch „Swiffer – so wow, so schlau“ aus dem Rennen geschossen. Reimen um des Reimes willen. Warum nur? Und warum ausgerechnet so? „So wow, so schlau“. Nee, eben nicht. Wann habt Ihr das letzte Mal in Eurer Wohnung Staub gewischt? Und dabei gedacht, weil ja dieses Meisterwerk menschlicher Ingenieurskunst ein Kugelgelenk am Ende des Stiels hat, „wow, das ist so schlau“, wie das Teil sogar in die Ecken kommt. Das machen doch nur Leute, die sich darüber freuen, dass eine Tasse die Öffnung oben hat.
Noch schlimmer, weil völlig konstruiert, ist „wirkaufendeinauto.de“. Einfamilienhaus-Siedlung, ein älterer Mann steht bei seinem Auto. Schnitt. Ralph Schumacher betritt die Szene, läuft zielstrebig auf den Herrn zu und fragt ihn: „Du willst wissen, wieviel Dein Auto wert ist ?“ Der Mann guckt völlig irritiert und bevor er dem Ex-Rennfahrer etwas wie „Nein, verschwinde“, „wie kommst Du auf so einen Blödsinn“, „Isch ‚abe gar keine Auto“ oder „um aus Goethes Faust, Kapitel 4, Absatz 2, Zeile 65, zu zitieren: Nein!“ entgegnen kann, zückt dieser sein Handy und berechnet in der zufällig geöffneten App den Restwert des Wagens. Der Rest der Handlung ist unwichtig, da man bereits jetzt fassungslos den Betrieb der wichtigsten Sinne eingestellt hat.
Das ist noch schlimmer als „Ich habe gar keine Schuppen“ oder „Für das Beste im Mann“. Letzteres ist übrigens seit 1989 der Claim von Gillette. Angeblich hat sich bei der Präsentation ein Kreativer der Agentur BBDO versprochen, woraufhin einer der Gillette-Entscheider begeistert rief: „Das isses“.
Keine Ahnung, ob das wirklich so stattgefunden hat, erklären würde es vieles.
Wir sind mal wieder am
flachen Ende
angelangt.
Wie nennt man einen Bumerang, der nicht zurückkommt?
Stock.
Wenn diese Folge publiziert wird, sind die Sportler aus Paris bereits wieder abgereist. Werbung dagegen wird es weiter geben, gute, schlechte, Episoden, an die man sich gerne erinnert und die man schnell wieder vergessen möchte.
Vergesst Ihr bitte nicht den 18.9., wir würden uns riesig freuen, Euch bei dieser Premiere begrüßen zu dürfen. Bis dahin, schöne Restferien, einen schönen Urlaub all denen, denen er noch bevorsteht und beim Baden immer auf die Wasserqualität achten.